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Immaterielles Kulturerbe

Das immaterielle Kulturerbe umfasst kulturelle Traditionen in all ihren Facetten – von gesellschaftlichen Bräuchen und Festen über historisch gewachsene Handwerkstechniken bis hin zu lokalen Musik- und Tanzformen. Es repräsentiert eine lebendige Alltagskultur, die das Zusammenleben prägt und von Generation zu Generation weitergegen und weiterentwickelt wird. Mit dem Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes von 2003 hat die UNESCO  ein wegweisendes Instrument zur Würdigung und Sichtbarmachung dieser Kulturformen ins Leben gerufen. Die Bundesrepublik Deutschland ist dem Übereinkommen im Jahr 2013 beigetreten.

Internationale UNESCO-Listen

Steinmetz bei der Arbeit
Steinmetz bei der Arbeit in der Dresdner Zwingerbauhütte: Das Bauhüttenwesen ist ein »Gutes Praxis-Beispiel« der UNESCO zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes  © Claudia Tabori

Lebendige kulturelle Ausdrucksformen prägen weltweit regionale Identitäten, sie stärken den Zusammenhalt von Gemeinschaften und sind zentral für den Erhalt und die Weitergabe von Traditionen, Wissen und Kenntnissen. International herausragende Formen dieses lebendigen Kulturerbes werden von der UNESCO in die die repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Darüber hinaus führt die UNESCO eine Liste bedrohter Kulturformen sowie von »Gute Praxis-Beispielen« zur Erhaltung immateriellen Kulturerbes. Über die Aufnahme entscheidet einmal jährlich der zwischenstaatliche Ausschuss der UNESCO auf Basis nationaler Vorschläge. Unter folgenden Links sind die Einträge in der Datenbank der UNESCO zum Immateriellen Kulturerbe zu finden:

Der Freistaat Sachsen ist an drei Einträgen auf den UNESCO-Listen beteiligt:

  • Als erster deutscher Beitrag überhaupt wurde im Jahr 2016 die Idee der Genossenschaft in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Der länderübergreifende Antrag wurde in Rheinland-Pfalz und Sachsen erarbeitet.
  • Den Orgelbau und die Orgelmusik in Deutschland hat der Zwischenstaatliche Ausschuss im Jahr in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.
  • Im Jahr 2020 wurde die Erhaltungsform des Bauhüttenwesens in das Internationale Register »Guter-Praxis-Beispiele« aufgenommen. Dazu gehört beispielsweise die Zwingerbauhütte, die sich um die Restaurierung und Instandhaltung des Dresdner Zwingers kümmert.

Unter folgenden Links sind die Einträge auf der Webseite der Deutschen UNESCO-Kommission zu finden:

Bundesweites Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes

Bergaufzug zur öffentlichen Mettenschicht am Andreas Gegentrum Stolln
Bergaufzug zur öffentlichen Mettenschicht am Andreas Gegentrum Stolln  © Sächsicher Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e. V.

Das Bundesweite Verzeichnis zeigt exemplarisch die lebendigen kulturellen Traditionen und Ausdrucksformen, die in Deutschland praktiziert und weitergegeben werden. Unter dem Motto »Wissen. Können. Weitergeben« werden kreative und inklusive immaterielle Kulturformen gewürdigt und für eine breite Öffentlichkeit sichtbar gemacht. Die Vorschläge für das Bundesweite Verzeichnis kommen direkt aus der Zivilgesellschaft. Über die Aufnahme entscheiden anschließend staatliche Stellen und die Deutschen UNESCO-Kommission in einem mehrstufigen Verfahren.

Aktuell hat das Bundesweite Verzeichnis 131 Einträge: 117 Kulturformen und 14 Modellprogramme zur Erhaltung Immateriellen Kulturerbes. Zehn der gelisteten Kulturformen kommen aus Sachsen. Unter folgenden Links sind die Einträge auf der Webseite der Deutschen UNESCO-Kommission zu finden:

Sächsische Landesliste

Bergsteiger im Elbsandsteingebirge
Beim Bergsteigen im Elbsandsteingebirge gelten die Sächsischen Kletterregeln.  © R. Koschitzki

Der Freistaat Sachsen führt eine eigene Landesliste regional bedeutsamer Kulturformen. Sie dokumentiert die Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen im Freistaat und ist nicht zuletzt ein Zeichen der Wertschätzung für das Engagement der Bürgerinnen und Bürger, die diese Kulturformen pflegen und weitergeben. Ein Eintrag auf der Landesliste ist Voraussetzung für eine Nominierung für das Bundesweite Verzeichnis.

Landesspezifische Bewerbung für die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes

Im Jahr 1893 wurde auf dem Schusterturm im Bielatal in der Sächsischen Schweiz das wahrscheinlich weltweit erste Gipfelbuch ausgelegt. In der Folgezeit entwickelte sich im Sächsischen Sandstein eine ganz eigene Kletterkultur, die höchste sportliche Ansprüche mit der Bewahrung einer einzigartigen Naturlandschaft zu verbinden suchte.

Das Sächsische Bergsteigen beruht seit 1910 auf dem Grundsatz des »freien Kletterns« ohne Verwendung künstlicher Hilfsmittel. Basis sind die Sächsischen Kletterregeln, die neben den Kletter- und Sicherungstechniken auch den Schutz der Natur und Felsbiotope und damit die Bewahrung der Klettermöglichkeiten für nachfolgende Generationen festschreiben. Die Kletterkultur wird in Klubs, Familien und in Freundeskreisen gelebt, in denen diese Regeln und Verhaltensweisen weitergegeben werden. Das Übernachten in Berghütten und Boofen (Freiübernachtungsstellen) sind ebenso Teil dieser Kultur wie das ehrenamtliche Engagement von zahlreichen Kletternden, etwa in Form von Gipfel-Patenschaften, Kontrolle von Horstschutzzonen oder Müllsammlungen.

Vereine und zahlreiche weitere öffentliche und private Träger bieten Kurse für jedes Niveau und Alter an, z.B. auch für Kinder oder Menschen mit Behinderung. Der 1911 gegründete Sächsische Bergsteigerbund (SBB) ist mit über 16.000 Mitgliedern einer der größten Sportvereine Sachsen. Darüber hinaus hat das Sächsische Bergsteigen Ausdruck in Musik, Malerei, Fotografie und Literatur gefunden.

Zum Stand der landesspezifischen Bewerbung:

Sachsen hat das Sächsische Bergsteigen für das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes nominiert. Der Kulturausschuss der Kulturministerkonferenz der Länder hat diesen Vorschlag in seiner Sitzung im Mai 2022 bestätigt. Der Freistaat folgt mit der Nominierung einer Empfehlung des Sächsischen Kultursenats und nimmt das Sächsische Bergsteigen zugleich in die Sächsische Landesliste des Immateriellen Kulturerbes auf. Die Bewerbung für das Immaterielle Kulturerbe hat der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) stellvertretend für alle Kulturtragenden erarbeitet und eingereicht.

Kontakt

Sächsischer Bergsteigerbund (SBB)

Postanschrift:
Papiermühlengasse 10
01067 Dresden

E-Mail: kulturerbe@bergsteigerbund.de

Webseite: https://kulturerbe-saechsisches-bergsteigen.de

Landesspezifische Bewerbung – Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes

In der Bartholomäuswoche (um den 24. August) findet traditionell das Kamenzer Forstfest statt –  das größte und Schul- und Heimatfest im Freistaat Sachsen. An den Umzügen beteiligen sich rund 1.500 Kamenzer Schülerinnen und Schüler. Sie tragen traditionelle Blumengirlanden und Fahnen von der Innenstadt bis in den Forst. Die Kamenzerinnen und Kamenzer schmücken zum Fest ihre Häuser mit Ranken, Wimpelketten und Blumenkränzen. Es gibt Blasmusikkonzerte, einen Auszug der Sportvereine und Schulen mit Turnvorstellungen im Forst sowie einen Schützenumzug und mehrere Schützenwettbewerbe – dem sogenannten »Adlerschießen«. Bis zu 50.000 Gäste zieht das Kamenzer Forstfest jährlich weit über die Stadtgrenzen hinaus an.

Das Kamenzer Forstfest blickt auf eine mehr als 300-jährige Geschichte zurück, deren Tradition durch Reformen vor 175 Jahren noch einmal bekräftigt wurde. In der rituellen Ausprägung des Festes sind historische Wurzeln sichtbar. Die historischen Bezüge, etwa zu rituellen Praktiken während der Pestepidemien im 15. bis frühen 18. Jahrhundert sowie zur Gesangs- und Turnerbewegung im 19. Jahrhundert, sind vielfältig. Das Kamenzer Volksfest hat sich stets als widerstandsfähig gegenüber politischer Vereinnahmung gezeigt – insbesondere im 20. Jahrhundert.

Bemerkenswert sind der integrative Charakter und die interkulturelle Tendenz des Kamenzer Forstfestes, das von einer großen Lebendigkeit geprägt ist und die Gemeinschaft fördert. Die beim Forstfest gefeierte Begegnung von Mensch und Natur spielt angesichts des Klimawandels und der wachsenden Bedeutung von Nachhaltigkeit eine weitere wichtige Rolle.

Bis heute lebt das Forstfest vor allem von den Kamenzer Bürgerinnen und Bürgern. Wichtige Organisatoren, die zugleich die Tradition des Forstfestes pflegen und erhalten, sind der Förderverein Forstfest e.V. sowie das Forstfestkomitee, in dem sich verschiedene Interessen- bzw. Verantwortungsgruppen zusammenfinden. Gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern, den Freiwilligen Feuerwehren sowie dem Deutschen Roten Kreuz bereiten sie Jahr für Jahr zusammen mit der Stadtverwaltung das Forstfest vor. Neben dem hohen Schauwert der Umzüge bietet das Kamenzer Forstfest allen ehemaligen Kamenzerinnen und Kamenzern die Möglichkeit, sich in ihrer Heimatstadt zu treffen.

Kontakt

Stadtverwaltung Kamenz

Oberbürgermeister Roland Dantz

Postanschrift:
Markt 1
01917 Kamenz

Telefon: 03578 379-101

E-Mail: stadtverwaltung@kamenz.de

Webseite: https://www.kamenz.de/

Förderverein Forstfest e.V.

Vorsitzender Volker Schmidt

Telefon: 03578 379-101
Kontakt erfolgt über Stadtverwaltung Kamenz

E-Mail: stadtverwaltung@kamenz.de
Kontakt erfolgt über Stadtverwaltung Kamenz

Länderübergreifende Bewerbung aus Sachsen und Rheinland-Pfalz – Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes – Aufnahme in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes

Der zwischenstaatliche Ausschuss der UNESCO zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes hat auf seiner 11. Sitzung am 30. November 2016 in Addis Abeba die Aufnahme der Genossenschaftsidee in die »Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes« beschlossen. Am 27. März 2015 hatte Deutschland unter dem Titel „Idee und Praxis der Organisation von gemeinsamen Interessen in Genossenschaften“ seine erste Nominierung für die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingereicht.

Die Deutsche Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft e. V. (Sachsen) und die Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft e. V. (Rheinland-Pfalz) sind die Träger der Genossenschaftsidee mit ihren sozialen, kulturellen, ethischen, emanzipatorischen und ökonomischen Dimensionen, Werten und Traditionen in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission.

Die Väter der Genossenschaftsidee, Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen, gründeten bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten genossenschaftlichen Organisationen. Ihnen gelang es, aufbauend auf ihren ethischen Werten, den grundlegenden rechtlichen Rahmen für die Genossenschaftsidee zu konstituieren. Dabei schufen sie die Voraussetzungen für eine Vereinigung mit nicht geschlossener Mitgliederzahl und gemeinschaftlichem Geschäftsbetrieb. In den Satzungen wird der Förderzweck festgeschrieben, der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Interessen dienen kann.

Schulze-Delitzsch beförderte darüber hinaus mit dem von ihm formulierten und bereits 1867 in Preußen in Kraft getretenen Genossenschaftsgesetz, mit politischer Aktivität und durch die Organisation der immer zahlreicher werdenden Genossenschaften in einem 1859 gegründeten Verband maßgeblich die Verbreitung des Genossenschaftsgedankens. Raiffeisen verfolgte dieses Ziel unter anderem durch die Gründung zahlreicher Darlehnskassenvereine, durch Publikationen sowie engagierte Reise- und Vortragstätigkeiten. Dabei knüpfte er umfangreiche Beziehungsnetzwerke vorzugsweise zu Multiplikatoren wie Lehrern, Geistlichen und Amtsträgern. Die Genossenschaftsidee wurde dadurch schnell von weiteren Akteuren aufgegriffen, erfasste bald große gesellschaftliche Kreise, erfuhr eine nationale Verbreitung und fand ihre Anwendung in verschiedensten Lebensbereichen wie Arbeit, Finanzen, Ernährung oder Wohnen. So gingen beispielsweise von Victor Aimé Huber zu dieser Zeit entscheidende Impulse für die Entwicklung genossenschaftlicher Wohnungsunternehmen aus. Diese prägten nicht nur soziales Miteinander, sondern auch Stadtbilder. Heute zeigen zeitgemäße Projekte wie energieeffiziente oder altersgerechte Wohnungen die Innovationsfreudigkeit und den sozialen Anspruch der Wohnungsbaugenossenschaften.

Die Genossenschaftsidee findet sich heute regional und weltweit in nahezu jeder Branche wieder: z. B. in Genossenschaftsbanken, Landwirtschafts- und Handwerkergenossenschaften, Wohnungsbaugenossenschaften und Konsumgenossenschaften bis hin zu Dienstleistungsgenossenschaften und Energiegenossenschaften. Ihnen sind die Grundsätze »Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung« zu eigen. Ihre Mitglieder erwerben Genossenschaftsanteile und werden damit zu Miteigentümern. Ihre, von der Zahl der erworbenen Anteile unabhängige Stimme, sichert ihnen die Mitbestimmung und die Möglichkeit, aktiv mitzugestalten. Darüber hinaus eint das unabdingbare Ziel der Mitgliederförderung die Genossenschaften, sowohl in sozialer und kultureller, als auch in ökonomischer Hinsicht.

Erhebliche Risiken für den Erhalt und die Weitergabe der Genossenschaftsidee sind ihr sinkender Bekanntheitsgrad innerhalb der jüngeren Bevölkerung, die zunehmende Globalisierung und rein profitorientierte Märkte. Stark gefährdet ist die Idee auch durch veränderte rechtliche Rahmenbedingungen, die der Selbstverwaltung, dem Kunden-Eigentümerprinzip und dem regionalen Bezug entgegenstehen. Um dem entgegenzuwirken, gibt es vielfältige Ansätze, etwa die gezielte Information von Politik und Fachpublikum, Imagekampagnen, die die Bekanntheit der Genossenschaften stärken und ihre Werte und Themen transportieren sollen, sowie Bestrebungen, die Genossenschaftsidee und ihre Rechtsform stärker in der schulischen und universitären Bildung zu verankern.

Das Jahr 2012 rief die UNO zum Internationalen Genossenschaftsjahr aus, um auf die weltweite Bedeutung von Genossenschaften aufmerksam zu machen. Gleichzeitig betonte sie damit aber auch die Notwendigkeit, die vielfältigen Dimensionen der Genossenschaftsidee zu bewahren, sie breiten gesellschaftlichen Kreisen zu vermitteln und den nachfolgenden Generationen zu erhalten.

Kontakte

Deutsche Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft e. V., Dr. Manfred Wilde

Postanschrift:
Kreuzgasse 10
04509 Delitzsch

Telefon: +49 34202 63864

E-Mail: schulze-delitzsch-haus@t-online.de

Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft e. V., Josef Zolk

Postanschrift:
Neumarkt 1-5
57627 Hachenburg

Telefon: +49 2662 961220

Landesspezifische Bewerbung

Foto eines Mannes bei der Hopfengabe.
Hopfengabe in Brauerei  ©  Sächsischer Brauerverbund e. V.

Die Bewerbung »Handwerkliches Bierbrauen nach dem Reinheitsgebot« des Sächsischen Brauerbundes e.V. wurde zum Eintrag in die sächsische Landesliste des Immateriellen Kulturerbes empfohlen.

Brauen nach dem Reinheitsgebot bedeutet, Bier in handwerklicher Tradition ausschließlich aus den vier Rohstoffen Wasser, Malz, Hopfen und Hefe herzustellen. War die Bierbereitung im Altertum und frühen Mittelalter noch weitgehend dem Zufall überlassen, entwickelte sich in Klöstern auf dem Gebiet des heutigen Deutschland um 650 n.Chr. eine auf Erfahrungswerten basierende, komplexe Herstellungsweise: das Brauhandwerk. Am 23. April 1516 wurde in Ingolstadt der Rahmen für das handwerkliche Brauverfahren erstmals in einer Landesordnung festgehalten. Diese heute weltweit als Reinheitsgebot bekannte Vorgabe erfüllen Generationen deutscher Brauer seit nunmehr 500 Jahren mit Leben.

Das Reinheitsgebot stellt sicher, dass nach dieser Handwerkstradition gebraute Biere nur aus den vier natürlichen Zutaten Wasser, Malz und Hopfen hergestellt und mit Hefe vergoren werden. Auch der Einsatz moderner Brautechnik hat am Grundprinzip nichts verändert: Im Unterschied zu Brauereien im Ausland verwenden deutsche Brauereien nach dem Reinheitsgebot keine künstlichen Aromen und Farbstoffe, keine künstlichen Stabilisatoren, Enzyme, Emulgatoren und Konservierungsstoffe. Auch Surrogate (Ersatzstoffe wie Mais/Reis) sind unzulässig. Das Bierbrauen ist dadurch deutlich aufwändiger und anspruchsvoller als in ausländischen Brauereien, die häufig Zusatzstoffe nutzen, um gewünschte Biereigenschaften zu erzielen. 

Weil sie umfangreiches Wissen, Austausch, Erfahrung und Experimentierfreude voraussetzt, hat die in Deutschland traditionelle Festlegung auf nur vier Zutaten die Vielfalt der Biere und des Brauwesens befördert. Deutschland ist seit jeher das Land der Familien- und Kleinbrauereien. In zehn Jahren ist die Zahl der Braustätten von 1.281 (2004) um über 70 Betriebe auf 1.352 Brauereien (2014) gestiegen; fast ausnahmslos handelt es sich um neue Klein- und Kleinstbrauereien mit bis zu 5.000 Hektolitern Jahresproduktion. Während die Zahl kleiner Bäckereien und Fleischereien abnimmt, nimmt die Zahl kleiner Brauereien zu. Sie tragen damit maßgeblich bei zur einzigartigen Vielfalt von über 5.500 Bieren in Deutschland.

95% aller deutschen Brauereien sind kleine und mittlere Betriebe mit weniger als 200.000 Hektoliter Jahresproduktion. Die handwerkliche Praxis und das Wissen des Brauers bestimmen die Qualität des Bieres. Der Mensch und seine Erfahrung bleiben unersetzlich.

Vor diesem Hintergrund kommt dem dualen Ausbildungssystem mit seinen Berufsschulen im Braugewerbe eine hohe Bedeutung zu. Auch ist es seit Jahrhunderten guter Brauch im Brauhandwerk, Söhne und Töchter aus Familienbetrieben in andere Brauereien zur Ausbildung zu schicken, um so die Weitergabe des Wissens sicherzustellen und gleichzeitig Innovation zu fördern. Daneben gibt es Berufsschulen etwa in München, Berlin, Ulm und Kulmbach sowie die Möglichkeit, Brauwesen mit wissenschaftlichen Schwerpunkten zu studieren. Die deutschen Ausbildungsinstitutionen genießen international hohes Renommee. Jedes Jahr kommen hunderte Auszubildende und Studierende nach Deutschland, um das Handwerk zu erlernen oder zu perfektionieren. Als Folge arbeiten tausende hierzulande ausgebildete Brauerinnen und Brauer in Brauereien auf der ganzen Welt und sorgen für einen regen transnationalen Austausch des Wissens.

Kontakt

Sächsischer Brauerverbund e. V.

Besucheradresse:
Barbara Sarx-Lohse
Geschäftsführerin
Sächsischer Brauerbund e.V.
Bamberger Straße 7
01187 Dresden

Telefon: +49 351 4698341

E-Mail: b.sarx-lohse@brauerbund-sachsen.de

Landesspezifische Bewerbung – Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes

Kontakt

Carola Schlegel

Postanschrift:
Am Rathaus 2
08258 Markneukirchen

Telefon: +49 374 2241161

E-Mail: kultur@markneukirchen.de

Landesspezifische Bewerbung – Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes

Thomanerchor Leipzig
Kreuzchor Dresden
Dresdner Kapellknaben

Seit dem 13. Jahrhundert entstanden in Sachsen Knabenchöre mit der Hauptaufgabe, die Liturgie musikalisch zu gestalten: an der Thomaskirche in Leipzig der Thomanerchor (1212 gegründet), an der Kreuzkirche in Dresden der Kreuzchor (erste Erwähnung 1300) und an der Schlosskapelle in Dresden 1548 die Hofkapelle mit Knabenstimmen, aus denen 1709 die heutigen Dresdner Kapellknaben wurden.

Der spezifische Klang des Knabenchors, bei dem die Sopran- und Altstimmen von Knaben, die Tenor- und Bassstimmen von jungen Männern gesungen werden, wurde unter Förderung durch die kursächsischen Landesherren und die sächsischen Städte seit dem 16. Jahrhundert von hochrangigen Musikern geleitet, die eigens dafür Werke schufen, die auch die besonderen örtlichen akustischen Bedingungen berücksichtigten. Dies gilt für die Motetten und geistlichen Chorwerke des Dresdner Hofkapellmeisters Heinrich Schütz (1585-1672) oder die Kantaten und Oratorien des Thomaskantors Johann Sebastian Bach (1685-1750) in Leipzig. Diese Tradition wurde in den folgenden drei Jahrhunderten von Thomaskantoren, Kreuzkantoren und Hofkapellmeistern fortgeführt, zu nennen wären unter vielen anderen Gottfried August Homilius (1714-1785), Johann Gottfried Naumann (1741-1801) und Carl Maria von Weber (1786-1801).

Ungeachtet der nach der Reformation unterschiedlichen liturgischen Verpflichtungen verlief die musikalische Entwicklung aller drei Chöre vergleichsweise parallel, für die Auswahl der musikalischen Leiter und die zur Aufführung gelangenden Komponisten waren konfessionelle Überlegungen nicht vordergründig. Die drei sächsischen Knabenchöre haben die politischen Umbrüche und Systemwechsel des 20. Jahrhunderts überstanden. Die Dresdner Kapellknaben sind heute in Trägerschaft der Diözese Dresden-Meißen, der Thomanerchor in Trägerschaft der Stadt Leipzig und der Kreuzchor in Trägerschaft der Landeshauptstadt Dresden. Alle drei Chöre unterhalten jeweils ein Internat und sind mit einem Gymnasium verbunden.Die Sänger werden nach Maßstab des Talents ausgewählt, konfessionelle oder religiöse Vorgaben gibt es nicht.

In der heutigen Aufgabenstellung der Chöre hat der liturgische Gesang nach wie vor eine wesentliche Rolle, die Kreuzchorvespern und die Gottesdienste in der Dresdner Hofkirche mit den Kapellknaben ziehen jedes Jahr zehntausende von Zuhörern an, ebenso wie die Motetten- und Oratorienaufführungen sowie Gottesdienste der Thomaner in Leipzig. Die Chöre sind durch geistliche Konzerte ein Bestandteil des Musiklebens ihrer Stadt und werden durch zahlreiche Einladungen zu Auslandsreisen auch international beachtet.

Die drei Knabenchöre führen die musikalische Tradition in individueller Schwerpunktsetzung fort. Die Leipziger Thomaner sind besonders Johann Sebastian Bach verpflichtet, die Dresdner Chöre Heinrich Schütz. Ergänzt wird die Traditionspflege durch Aufführungen neuer Werke, die speziell für den jeweiligen Chor komponiert werden; die musikalischen Leiter dieser Chöre treten auch heute mit eigenen Kompositionen hervor, prominentes Beispiel ist der frühere Kreuzkantor Rudolf Mauersberger (1889-1971).

Kontakt

Musica Sacra Saxoniae Stiftung zu Dresden, Stephan Zimmer (Präsident)

Postanschrift:
Blasewitzer Str. 41
01307 Dresden

Telefon: +49 351 4504501

E-Mail: info@musica-sacra-saxoniae.de

Landesspezifische Bewerbung

Die Gründung der Sächsischen Staatskapelle Dresden reicht in das Jahr 1548 zurück und ist durch die von Kurfürst Moritz von Sachsen unterzeichnete Gründungsurkunde dokumentiert. Eine erste bedeutende Hochzeit erlebte das Ensemble unter Heinrich Schütz, der die Kapelle in seiner jahrzehntelangen Amtszeit (1617-1672) zu internationalem Ruhm führte. Mit der Etablierung eines modernen Orchesters zu Beginn des 18. Jahrhunderts beginnt die Geschichte der barocken Dresdner Hofkapelle: Unter Hofkapellmeister Johann Adolf Hasse genießt das Ensemble legendären Status. Komponisten wie Antonio Vivaldi, Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach schreiben für die Kapelle, die damit das barocke Opern- und Orchesterrepertoire nachhaltig prägt.

Mit der Verpflichtung Carl Maria von Webers 1817 setzt das Orchester wichtige Akzente im deutschen Opernrepertoire (»Der Freischütz«, »Euryanthe» und »Oberon« entstehen in Dresden). Daran knüpft Richard Wagner in seiner Kapellmeisterzeit (1843-1849) dankbar an, der das Orchester als seine »Wunderharfe« bezeichnet; Wagner bringt in Dresden «Rienzi«, »Der fliegende Holländer« und »Tannhäuser« zur Uraufführung und konzipiert hier den Großteil seines späteren Oeuvres. In die lange Amtszeit von Ernst von Schuch (1872-1914) fällt die beginnende Zusammenarbeit mit Richard Strauss, der der Staatskapelle in seiner über 60-jährigen Freundschaft mit dem Orchester 9 seiner 15 Opern zur Uraufführung anvertraut, darunter »Salome«, »Elektra« und »Der Rosenkavalier«. Bedeutende Kapellmeister und Chefdirigenten der letzten 100 Jahre sind Fritz Busch, Karl Böhm, Joseph Keilberth, Rudolf Kempe, Kurt Sanderling, Herbert Blomstedt, Giuseppe Sinopoli und Bernard Haitink. Von 1991 bis zu seinem Tod 2013 war Sir Colin Davis Ehrendirigent der Staatskapelle. Seit 2012 steht Christian Thielemann als Chefdirigent an der Spitze des Orchesters, Erster Gastdirigent ist seit ebendiesem Jahr Myung-Whun Chung.

Die Sächsische Staatskapelle ist eines der ältesten Orchester – und vermutlich das einzige, das über 450 Jahre hinweg kontinuierlich Bestand hatte und immer zu den führenden Klangkörpern der jeweiligen Epochen gehörte. Die Kontinuität ist auch ein prägendes Merkmal des Musizierens an sich: Schon in der Gründungsurkunde wurde festgeschrieben, dass ältere Kapellmitglieder ihre Erfahrungen an die jungen weitergeben sollen. Diese Tradition, die eine wichtige Grundlage zum Erhalt einer eigenen Klangkultur darstellt, ist bis heute präsent: Viele Musiker bilden als Professoren an der Musikhochschule Carl Maria von Weber Dresden den Nachwuchs aus; zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte das Orchester gar eine eigene »Orchesterschule«, die in der heutigen »Giuseppe-Sinopoli-Akademie der Staatskapelle Dresden« fortlebt.

»Wie Glanz von altem Gold« – so hat Herbert von Karajan den Klang der Dresdner Staatskapelle bei der gemeinsamen Aufnahme der »Meistersinger« 1972 beschrieben und damit eine weitere Besonderheit des Orchesters charakterisiert. Der Staatskapelle ist gelungen, sich im Laufe der Jahrhunderte eine eigene klangliche Identität zu bewahren, durch die sie sich von anderen Spitzenorchestern unterscheidet. Christian Thielemann spricht von einem Klang, »der sich durch Wärme und äußerste Homogenität auszeichnet und ein flexibles, immer gesangliches Musizieren ermöglicht. Diese Qualitäten entspringen sicher auch der Doppelfunktion der Staatskapelle als erstklassigem Opern- und Konzertorchester.«

Die Sächsische Staatskapelle galt in den fünf Jahrhunderten ihres Bestehens immer als einer der führenden Klangkörper. Dies belegen zahlreiche Zitate von bedeutenden Zeitgenossen. So schrieb Jean-Jacques Rousseau 1767: »… dasjenige mit der ausgewogensten Besetzung und der vollendetsten Ensembleleistung ist das Opernorchester des Königs von Polen in Dresden.« Und in einem der Konversationshefte Ludwig van Beethovens findet sich 1823 die Notiz: »Man hört allgemein, daß die Hofkapelle in Dresden die beste in Europa sey.« Seit dem 20. Jahrhundert ist die herausragende Qualität der Staatskapelle in vielen, zum Teil legendären Aufnahmen dokumentiert. In heutiger Zeit wird dem Orchester regelmäßig von Fachmagazinen ein außergewöhnlicher Rang attestiert. 2006 etwa wurde die Staatskapelle vom Magazin »Gramophone« unter die »Top Ten« der weltbesten Orchester gewählt; 2013 verlieh ihr die Zeitschrift »Opernwelt« auf Grundlage eines Votums internationaler Kritiker den Titel »Orchester des Jahres«.

Kontakt

Sächsische Staatskapelle Dresden, Orchesterdirektor Jan Nast

Postanschrift:
Theaterplatz 2
01067 Dresden

Telefon: +49 351 4911340

E-Mail: jan.nast@staatskapelle-dresden.de

Landesspezifische Bewerbung

Leipziger Synagogalchor e.V.

Der Leipziger Synagogalchor e.V. bewahrt jüdisches Kulturerbe: Synagogale Chormusik und jüdische Folklore.

Der jüdische Gottesdienst war traditionell vom Wechselgesang des Vorbeters/Kantors und der Gemeinde geprägt. Im 19. Jahrhundert brachten Reformen erstmals Männer- und später auch gemischte Chöre in die Synagogen Deutschlands und Mitteleuropas. Ab 1810 wurden Orgeln in jüdische Gotteshäuser gebaut, deren liturgische Musik bis in die 1930er Jahre eine große Blüte erlebte. Komponisten wie Louis Lewandowski oder Salomon Sulzer, die als Chordirigent bzw. als Kantor in reformierten jüdischen Gemeinden in Berlin bzw. Wien wirkten, prägten mit ihren Kompositionen eine Musiktradition, die Elemente der europäischen christlichen Musik aufnahm, ohne die jüdischen Wurzeln zu verlieren.

Mit der Machtergreifung der Nazis, der Reichspogromnacht und der systematischen Ermordung der Juden als Träger dieser Kultur wurde sie jedoch fast vollständig vernichtet. Jüdischen Gemeinden in Deutschland fehlten nach dem Krieg die Mitglieder, heute gestalten vor allem russische Zuwanderer mit eigenen orthodoxen Traditionen das jüdische Gemeindeleben. In Israel und der Diaspora sind die alten Gesänge den Überlebenden des Holocaust aus ihrer Kindheit und Jugend noch bekannt, doch spielen sie in den heutigen Gottesdiensten eine zu geringe Rolle, um diese Erinnerungen am Leben zu halten und an die Enkel weiterzugeben.

Der Leipziger Synagogalchor widmet sich seit seiner Gründung durch den Oberkantor Werner Sander im Jahr 1962 der Bewahrung und Weitergabe dieses verlorenen Erbes und kann selbst schon auf eine lange eigene Tradition zurückblicken. Zum sakralen Repertoire gehören neben den Werken Lewandowskis und Sulzers Synagogalmusik unter anderem von Samuel Lampel, Samuel Alman, Abraham Dunajewski, David Nowakowski und Samuel Naumbourg. Die hebräischen Texte der Gottesdienstgesänge sind Psalmen und Gebete sowie religiöse Texte aus dem Talmud. Mit seiner Interpretation bewahrt der Leipziger Synagogalchor die alte aschkenasische Aussprache des Hebräischen, wie sie in deutschen Synagogen vor dem Holocaust gebräuchlich war, während das moderne Hebräisch in Israel heute von der sephardischen Aussprache geprägt ist. Doch auch Vertonungen deutscher Psalmen- und anderer religiöser Texte sind Teil der Synagogalmusik deutscher Tradition des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, die durch den Chor zur Aufführung gelangt. Zum weltlichen Repertoire des Chores gehört jüdische Folklore in Jiddisch und Hebräisch, die vorwiegend aus den alten jüdischen Gemeinden Litauens, der Ukraine, Polens und Rumäniens stammt.

Der größte Teil der traditionellen Weisen wird in Bearbeitungen von Werner Sander oder Friedbert Groß aufgeführt. Sie haben die Lieder durch einen virtuosen Klavierpart oder kammermusikalische Instrumentalfassungen für die Interpretation im Konzertsaal bereichert; Gesangssolisten übernehmen die Rolle des Erzählers. Seit 2013 ist der Chor um die Erweiterung des jiddischen Repertoires durch die Beauftragung verschiedener Komponisten mit neuen Arrangements für das traditionelle Liedgut bemüht. Zeitgenössische Kompositionen – u. a. von Joseph Dorfman, Bonia Shur und Siegfried Thiele, die teilweise eigens für den Leipziger Synagogalchor geschrieben haben – ergänzen die Konzertprogramme. Nach Werner Sanders Tod im Jahr 1972 übernahm der Tenor Helmut Klotz für 40 Jahre die Leitung des Chores, im Jahr 2012 ging sie auf den Bariton und Chordirigenten Ludwig Böhme über.

Auch die heutige Zusammensetzung des Ensembles aus langjährigen und neu gewonnenen Sängerinnen und Sänger steht für Tradition und Weitergabe an kommende Generationen. Etwa 15 Konzerte jährlich im In- und Ausland, die musikalische Mitwirkung bei Filmvorführungen oder Ausstellungen, Berichte in den Medien und außermusikalische Aktivitäten wie die Sanierung der Grabstätte des Chorgründers Werner Sander und die geplante Verlegung eines Stolpersteins für den Leipziger Kantor Samuel Lampel erfüllen Aufgabe und Anliegen des Leipziger Synagogalchores, das verdrängte musikalische jüdische Erbe zu pflegen.

Kontakt

Leipziger Synagogalchor e.V., c/o Haus des Buches Leipzig

Postanschrift:
Gerichtsweg 28
04103 Leipzig

Telefon: +49 341 9954407

E-Mail: kontakt@synagogalchor-leipzig.de

Landesspezifische Bewerbung - Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes

Der Bergbau und das Hüttenwesen sowie die Montanwissenschaften haben in der sächsischen Landesgeschichte eine ganz besondere Bedeutung im Sinne der wirtschafts- und kulturgeschichtlichen EntwicklungSachsens seit dem 13. Jahrhundert und seiner daraus bis heute gelebten umfassenden Traditionen und Brauchtümer.

Seit dem 14. Jahrhundert haben sich die Bergleute in Bergbrüderschaften und Bergknappschaften, Hüttenknappschaften und Bergkapellen zusammengeschlossen und bildeten Standes- und Solidargemeinschaften. Der noch heute in den ehemaligen Bergbauregionen Sachsens, wie dem Erzgebirge übliche allgemeine Gruß der Bergleute »Glück auf!« hat hier ebenso seinen Ursprung wie eine Vielzahl anderer sich über viele Jahrhunderte entwickelnder bergmännischer Brauchtümer. Hierzu zählen u.a. die Herstellung, die Pflege und das Tragen eines gemeinsamen Bergmannshabits nach den unterschiedlichen Vorschriften verschiedener Jahrhunderte und entsprechend den einzelnen Bergrevieren.

1990 gegründeten Sächsischen Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine pflegen heute circa 3.000 Mitglieder in 62 Mitgliedervereinen diese Traditionen. Die älteste ohne Unterbrechung bestehende derartige Vereinigung ist z.B. die Berggrabebrüderschaft Ehrenfriedersdorf, welche seit 675 Jahren existiert und vielfältigste Brauchtumspflege betreibt.

Ein wesentlicher Bestandteil der Brauchtumspflege ist dabei das Tragen der historischen Habits zu Bergaufzügen und Bergparaden. Ihre Entstehung haben diese in den gemeinsamen Kirchgängen der in den unterschiedlichen Bergmannsvereinigungen, Knappschaften und Brüderschaften organisierten Berg- und Hüttenleute, in dem seit dem 17. Jahrhundert zu unterschiedlichen Anlässen vor allem der Huldigung der Obrigkeit stattfindenden Bergparaden und Bergaufzüge und in Aufzügen zur Demonstration und Durchsetzung der Interessen der Mitglieder der Bergknapp- und Brüderschaften, wie dem seit 1492 stattfindenden Bergaufzug zum »Schneeberger Bergstreittag« (immer am 22.07., einem historischem Datum des gemeinsamen Aufmarsches Schneeberger Bergleute zur Vermeidung weiterer finanzieller Forderungen der Bergherren gegenüber den einzelnen Bergknappen).

Diese sehr öffentlichkeitswirksame Seite der Brauchtumspflege sächsischer Bergbautraditionen beruht dabei wie die heute noch getragenen historischen Bergmannsuniformen auf zum Teil jahrhundertealten Regularien und Bergzeremoniellen und werden durch die Teilnahme vieler Mitglieder der verschiedenen Traditionsvereine lebendig gehalten.

Dabei gibt es Bergparaden und Bergaufzüge, die durch den Sächsischen Landesverband organisiert werden, aber auch eine Reihe von Bergaufzügen, die regional begrenzt durch die örtlichen Mitgliedervereine organisiert und aufgeführt werden. Allen ist gemeinsam, dass sie langjährige und zum Teil eine mehrere hundert Jahre alte Tradition haben und zu festen Zeitpunkten im Jahr stattfinden. Die größte Anzahl an Bergparaden und Bergaufzügen findet alljährlich in der Vorweihnachts- und Weihnachtszeit statt. Auch hier liegen die Wurzeln zum Teil in den gemeinsamen Kirchgängen, zu den Bergmetten im Dezember, wobei eine Vielzahl der in der Gegenwart alljährlich zur Vorweihnachtszeit stattfindenden Bergparaden und Bergaufzügen eine Tradition in dieser Form erst seit ca. 50 Jahren hat.

Eine Besonderheit der sächsischen Bergaufzüge und Bergparaden ist dabei das Mitwirken traditioneller bergmännischer Musikvereine, deren Entstehung ebenfalls in der bergmännischen Tradition verwurzelt ist. Diese Berg- und Hüttenkapellen begleiten die aufziehenden Berg- und Hüttenleute ebenfalls in historischen Uniformen und spielen dazu die historischen und neueren Bergmärsche der einzelnen Reviere und Bergstädte. Dieses Zusammenwirken von Uniformträgern aller Berufsgruppen der Montanindustrie Sachsens mit bergmusikalischer Umrahmung und einem Bergzeremoniell mit Bergkonzert und musikalischer Bergandacht, sowie bergmännischer Aufwartung schließen die farbenfrohen und stimmungsvollen Bergparaden oder Bergaufzüge ab.

Sie gehören zum festen Bestandteil der bergmännischen Traditionspflege in Sachsen und haben mit ihrer großen Öffentlichkeitswirkung schon vor vielen Jahrzehnten diese Traditionen in alle deutschen Bergbaureviere übertragen. Ihren Ursprung haben sie aber ohne Zweifel und wissenschaftlich belegt in der bergmännischen Tradition Sachsens.

Bergparaden und Bergaufzüge ziehen heute zehntausende Besucher in die Bergstädte Sachsens, werden in allen Medien (Printmedien, TV, Rundfunk, Internet etc.) in der Öffentlichkeit dargestellt und sind letztendlich ein Bestandteil des Tourismuskonzeptes in Sachsen und speziell in der Region des Erzgebirges geworden.

Kontakt

Sächsischer Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V., Dr. Henry Schlauderer, 1. Vorsitzender

Postanschrift:
Chemnitzer Straße 8
09599 Freiberg

E-Mail: geschaeftsstelle@bergbautradition-sachsen.de

Länderübergreifende Bewerbung aus Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern – Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes

Die Verkohlung von Holz ist eines der ältesten Handwerke der Menschheit auf der ganzen Welt. Heute findet man alle Stufen seiner technischen Entwicklung nebeneinander vor – vom Jahrtausende alten Prinzip des Kohlenmeilers im brasilianischen Urwald oder im deutschen Erzgebirge bis hin zur modernen Syntheseanlage für Biosprit in den hochentwickelten Industriestaaten.

Nur das eigentliche technische Verfahren – die thermische Umwandlung von Biomasse, die trockene Destillation oder Pyrolyse – ist gleich geblieben. Dabei werden Stoffe erzeugt, die enweder hauptsächlich von fester Konsistenz (Holzkohle), flüssiger Konsistenz (Holzteer=Bioöl) oder gasförmiger Konsistenz (Holzgas) sind. Im Grunde genommen ist es nichts anderes als die Wiederfreisetzung der in der Biomasse gespeicherten Sonnenenergie zum Zwecke der Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen.

In früheren Zeiten überwog, je nachdem, welche Produktart man überwiegend benötigte, die eine oder andere Verfahrensweise: In Ländern, in denen viel Erz geschmolzen und Eisen verarbeitet wurde, erzeugte man viel Holzkohle. Nur mit ihr konnten die notwendigen Temperaturen erzeugt werden. Die seefahrenden Länder brauchten riesige Mengen an Holzteer und -pech, denn nur damit konnte man die Schiffe seefest machen und andere Dinge konservieren.

Ohne Holzkohle kein Schwarzpulver und ohne Aktivkohle kein sauberes Wasser. Anfang des vergangenen Jahrhunderts bekam auch Holzgas eine immer größer werdende Bedeutung und so wurden Motoren konstruiert, die statt durch Benzin mit Holz betrieben wurden. Ja, selbst in der Volksheilkunde spielten Holzkohle und Holzteer eine wesentliche Rolle (heute noch in Finnland und in den baltischen Ländern).

Den meisten Menschen von heute ist Holzkohle als Grillkohle ein Begriff, ohne zu wissen, dass dieser Stoff einen entscheidenden Anteil an der Entwicklung der Menschheit hatte. Das ist auch der Grund, dass der Europäische Köhlerverein sich für den Erhalt des Handwerks und die Bewahrung der alten Technologien einsetzt, damit auch nachfolgende Generationen in der Lage sind, ein uraltes Handwerk der Menschheit zu beherrschen und weiterzugeben.

Kontakt

Europäischer Köhlerverein e.V. Geschäftsstelle und Sitz in Sosa Erzgebirge

Postanschrift:
Hauptstraße 28
08309 Eibenstock - OT Sosa

Präsident Heinz Sprengel
Karl-Liebknecht-Str. 11
08289 Schneeberg

Telefon: +49 3772 326576

E-Mail: Europaeischer.Koehlerverein@t-online.de

Länderübergreifende Bewerbung aus Sachsen und Brandenburg – Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes

Die Lausitzer Sorben sind eine ethnische Minderheit im östlichen Teil Deutschlands. Ihr Siedlungsgebiet erstreckt sich über zwei Bundesländer, vom Süden Brandenburgs bis in den Osten Sachsens. Etwa 60.000 Menschen bekennen sich als Sorben. Es gibt zwei sorbische Sprachen, Ober- und Niedersorbisch, die zur westslawischen Sprachgruppe zählen. Ein Großteil der Sorben ist evangelischer oder katholischer Konfession.

Gegen Ende der Völkerwanderung hatten rund zwanzig sorbische Stämme in dem Raum zwischen den Flüssen Oder, Bober und Queis im Osten und der Elbe und Saale im Westen, zwischen dem späteren Berlin im Norden und den Mittelgebirgen im Süden Fuß gefasst. Die Sorben in der Ober- und Niederlausitz sind Nachkommen jener frühmittelalterlichen Siedler; das heutige Sorbisch – synonym dazu auch Wendisch – ist das einzige von den einstigen Stammesdialekten erhaltene slawische Idiom in Deutschland. Jedoch zeichnen sich die Sorben nicht nur durch ihre eigene Sprache aus, sondern auch durch Eigenarten in der materiellen (z. B.  traditionelle Bauweise, Trachten) wie der immateriellen Volkskultur. Besonders hervorhebenswert erscheinen diesbezüglich die vielfältigen, lebendigen Bräuche im Jahreslauf. Sie werden aktiv gepflegt und sind wichtige Merkmale der sorbischen Identitätsstrategie. In Verbindung mit weiteren ethnischen Markern – wie den sorbischen Trachten oder der Verwendung der sorbischen Sprache – bilden sie wichtige Bausteine der ethnischen und kulturellen Selbstverwirklichung. Darüber hinaus leisten sie einen maßgeblichen Beitrag zur Vermittlung regionalspezifischen kulturhistorischen Wissens und gemeinschaftsbildender Festtraditionen.

Da die Sorben in keinem geschlossenen Siedlungsgebiet leben, sondern gemeinsam mit der deutschen Bevölkerung in einem ethnisch gemischten Territorium, in dem sie – infolge der Assimilation – seit mehr als einem Jahrhundert in der Minderheit sind, werden ihre Bräuche und Feste in den einzelnen Regionen oft ohne Nachfrage nach spezifischen Sprachkenntnissen oder ethnischen Bekenntnissen gepflegt. In diesem Sinne sind die sorbischen Bräuche und Feste nicht nur ethnisch determiniert, sondern weisen häufig eine ethnisch gemischte Trägerschaft auf. Sie sind demnach auch als eine regionale kulturelle Praxis zu verstehen und daher für die gesamte Bevölkerung der Region attraktiv.

Die Ausübungen der sorbischen Bräuche und Feste unterliegen Wandlungsprozessen. Die Träger, Gestalter und Zuschauer lassen sich in allen Generationen finden - von Kindern und Jugendlichen bis hin zu Erwachsenen. Besonders anschaulich zu erleben sind sie z. B. zur Vogelhochzeit (25. Januar), zur sorbischen/wendischen Fastnacht »Zapust« (Januar bis März), zu Ostern oder im Spätsommer nach Einfuhr der Ernte (Hahnschlagen bzw. -rupfen »Kokot«). Die aktive Beteiligung der Brauchausübenden symbolisiert die Verbundenheit zur Heimat und zum sorbischen Volk. Gleichzeitig ist sie Ausdruck der Lebensfreude der Menschen dieser Region. Sie verstehen ihre Bräuche und Feste nicht nur als traditionelles Ereignis, sondern auch als Bestandteil des modernen sorbischen Lebens. So lässt sich beobachten, dass außerhalb der Lausitz lebende Sorben zu Festen und Bräuchen anreisen, um aktiv an ihnen teilzunehmen.

Es werden etwa 30 Bräuche im Jahreslauf gepflegt, beginnend mit der Gemeindeversammlung Woklapnica/»Abklopfen des alten Jahres« bis zum Christkind in der Weihnachtszeit. Die Mehrheit davon wird länderübergreifend, in Sachsen und Brandenburg, begangen. Dennoch haben sich im Laufe der Zeit regionale Unterschiede herausgebildet. So konzentriert sich heute beispielsweise die sorbische/wendische Fastnacht oder das Hahnrupfen auf die Niederlausitz. In der Oberlausitz erfährt das Osterreiten der katholischen Sorben große Aufmerksamkeit im In- und Ausland.

Kontakt

Domowina – Bund Lausitzer Sorben e.V., Geschäftsführer Bernhard Ziesch

Postanschrift:
Postplatz 2
02625 Bautzen

Telefon: +49 3591 550100

E-Mail: domowina-bautzen@sorben.com

Länderübergreifende Bewerbung aus Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Thüringen – Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes

Die Tradition der deutschen Amateurchöre ist eine seit 1000 Jahren praktizierte Kunst- und Ausdrucksform, die im religiösen Umfeld der Kirchen ihren Ursprung hat. Im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert wurden die deutschen Laienchöre zum Schwerpunkt bürgerlicher Musikkultur und lösten sich vom feudalen Umfeld. Mit dieser Emanzipationsbewegung leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung der bürgerlichen Gesellschaft und damit zur Demokratiebewegung. Heute stellen sie das Rückgrat der Musikpflege und Musikausübung dar, ohne das die professionelle Musikausübung undenkbar ist. Die Laienchöre sind zugleich die Basis des Musikpublikums, Nährboden für künstlerischen Nachwuchs und musikalischer Partner in Tausenden von Konzerten und Aufführungen aller Art. Die kreative Aneignung von Text und Musik sowie die künstlerische Vitalität der Menschen werden durch diese Aktivität der Chöre mobilisiert. Gleichzeitig richtet sich die Praxis des Singens auf eine identitätsstiftende Gemeinsamkeit und öffentliches Wirken.

Musik wird damit tief in der Mitte der Gesellschaft verwurzelt. Menschen aller Schichten finden sich in Singvereinen, Singakademien, in Philharmonischen Chören, Lehrergesangsvereinen, Volkschören, Hochschul- und Universitätschören, Kantoreien und Kirchenchören, Knaben-, Mädchen-, Frauen- oder Männer- sowie Schulchören, in jüngerer Zeit auch Gospel- und Jazzchören zusammen, um miteinander zu singen, zu proben und Aufführungen zu gestalten. Künstlerisch an der Spitze stehen viele der ältesten Chöre Deutschlands, aber auch nach 1945 neugegründete Vereinigungen. Ihnen sind oft Kinder- und Jugendchöre angeschlossen. Gemeinsam bilden sie damit einen unverzichtbaren Grundstock für die musische Bildung und für die Prägung und Entfaltung eines kreativen Persönlichkeitsbildes.

Die Musikpflege der deutschen Laienchöre manifestiert sich gegenwärtig in mindestens 60.000 Chören, die überwiegend in verschiedenen Chorverbänden registriert sind. Das entspricht einer Zahl von über 2,2 Millionen Einzelmitgliedern und Förderern von Chören. Im Jahr 2012 waren laut Statistik des Musikinformationszentrums Bonn (MIZ) 1.455.300 aktive (also singende) Mitglieder registriert, von denen 309.000 Kinder und Jugendliche waren. Hochrechnungen regionaler Umfragen ergaben, dass die Chöre in Deutschland jährlich über 300.000 Konzerte für rund 60 Millionen Zuhörerinnen und Zuhörer veranstalten.

Unter dem Dach der Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände (BDC) sind verschiedene Verbände mit besonderen inhaltlichen Schwerpunkten organisiert. Sie stehen für eine Diversität im Chorbereich, die weltweit ihresgleichen sucht und daher schützenswert ist.

Mit Landeschorwettbewerben, Landeschorfesten, dem Deutschen Chorfestival des VDKC, dem Deutschen Chorfest und der chor.com Dortmund des Deutschen Chorverbandes (DCV), der Bachakademie Stuttgart, dem Sängermuseum Feuchtwangen, dem Zentrum für Chormusik Limburg, dem Deutschen Chorwettbewerb, der Deutschen Chorjugend, dem Festival Musica Sacra International und dem Internationalen Kammerchor-Wettbewerb Marktoberdorf, mit offenem Singen der Rundfunkanstalten, Scratch-Projekten und einer Fülle anderer Aktivitäten sind die Laienchöre in Stadt und Land engagiert und sorgen dafür, dass das Singen als Urform künstlerischen Ausdrucks allen Menschen ermöglicht und zugänglich gemacht wird. Die Arbeit in Kinder- und Jugendchören, das Engagement innerhalb von Seniorenchören, die Integration von Migranten und gesellschaftlichen Randgruppen gehören zum selbstverständlichen Alltag der Chöre und vernetzen dieses einzigartige Kulturerbe mit wichtigen Aufgaben einer modernen, weltoffenen Gesellschaft.

Fest verbunden mit der Tätigkeit der deutschen Amateurchöre ist die Pflege eines wertvollen kulturellen Schatzes. Mit der Chormusik etwa von Schütz, Bach, Händel, Haydn, Mozart, Beethoven, Mendelssohn Bartholdy, Schumann, Brahms, später von Hindemith, Orff, Boris, Distler, Pepping, Poos, Eisler, Dessau bis hin zu Wolfgang Rihm und Dieter Schnebel verfügen die deutschen Amateurchöre über ein Repertoire, das untrennbar mit ihrer Wirksamkeit und Entstehung verknüpft ist. Tief verwurzelt sind ebenso das Volkslied, die Volksmusik sowie viele neue Formen der Popularmusik. Kulturelle Tradition, gesellschaftlicher Aufbruch und lebendiges Engagement durchdringen sich bei der Pflege der Chormusik in den deutschen Amateurchören. Sie gehören damit nicht nur zum kulturellen Erbe, sondern sind selbst der zu schützende und zu fördernde Kern der Musiktradition, des Musiklebens und der Musikpflege in Deutschland.

Kontakt

Verband Deutscher KonzertChöre e.V. (VDKC), Sitz Neuss, Ansprechpartner: Professor Ekkehard Klemm, Präsident des Verbandes Deutscher KonzertChöre

Postanschrift:
Berthold-Haupt-Straße 93
01259 Dresden

Telefon: +49 351 40764279

E-Mail: klemm@vdkc.de

Länderübergreifende Bewerbung aus Berlin, Sachsen und Nordrhein-Westfalen

Künstlerische Drucktechniken zählen seit dem 16. März 2018 zum Immateriellen Kulturerbe  in Deutschland.

Die handwerklich-künstlerischen Drucktechniken Hochdruck (Buchdruck mit Bleilettern und Xylografie (Holzschnitt), Flachdruck (Lichtdruck und Steindruck) und Tiefdruck (Kupferstich und Radierung) werden im Museum für Druckkunst Leipzig seit 20 Jahren aktiv gefördert, angewendet, weitergegeben und anschaulich vermittelt. An keinem anderen Ort in Deutschland können diese handwerklich-künstlerischen Drucktechniken gemeinsam und in Aktion erlebt werden. Alle genannten Techniken werden heute nicht mehr ausgebildet, da der Medienumbruch in den 1980er Jahren mit Computern und Offsetdruck die meisten von ihnen obsolet gemacht hat, obwohl alle Techniken bis dahin sowohl handwerklich als auch industriell genutzt wurden und damit wichtiger Teil des kulturellen Erbes waren und sind.

Seit mehr als 500 Jahren ist Leipzig ein Zentrum des Druckwesens, von dem stets Innovationen ausgegangen sind. Bis heute herrscht in dieser Stadt eine äußert vitale Szene von Druckern, Künstlerdruckern und Künstlern. Das Museum für Druckkunst ist für viele von ihnen seit langem ein wichtiger Partner und Arbeitgeber, wo diese handwerklich-künstlerischen Techniken als ein zentraler Bestandteil des Werkstattprozesses innerhalb des tätigen Museums sind. Hier entstehen Kleindrucke und Künstlerauflagen. Eine Vielzahl von Workshop-Angeboten vermitteln diese Handwerkstechniken an Kinder und Erwachsene. Den technischen Rahmen bilden die 95 voll funktionsfähigen Maschinen sowie zahlreichen Geräte und Werkzeuge der Museumssammlung. Mit dieser Ausstattung rund um die Drucktechnik und deren lebendige Vermittlung durch das Fachpersonal ist das Museum deutschlandweit einzigartig und genießt im In- und Ausland einen hervorragenden Ruf als Zentrum für historisches Druckhandwerk.

Durch die Aktivitäten des Museums ist es bereits gelungen, dass seit dem Jahre 2012 die Möglichkeit der Weiterbildung in den oben genannten Handwerkstechniken im Rahmen der Berufsausbildung zum Medientechnologen Druck besteht. In der Wahlqualifikation »Künstlerische Drucktechniken« können nunmehr junge Leute diese Handwerke erlernen und ein entsprechendes Abschlusszeugnis erhalten.

Neben Leipzig finden sich handwerklich-künstlerische Drucktechniken auch in Mainz (Hochdruck), Hamburg (Hochdruck, Flachdruck), in Antwerpen/Belgien (Hochdruck), Valkenswaard/Niederlande (Flachdruck/Steindruck), in Paris/Frankreich (Hochdruck, Tiefdruck) sowie in  Kyoto/JP (Flachdruck/Lichtdruck) und Peking/China (Lichtdruck).

Kontakt

Dr. Susanne Richter, Direktorin des Museums für Druckkunst Leipzig

Postanschrift:
Nonnenstraße 38
04229 Leipzig

Telefon: +49 341 2316221

E-Mail: info@druckkunst-museum.de

Mehr Informationen zum bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes, zu Aufnahmekriterien und Bewerbung finden sich auf den folgenden Seiten der UNESCO-Kommission:

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