Wirksam vor Ort und in der Region – Wann sind Kultureinrichtungen regional bedeutsam?
Leitgedanken
Was macht Kultur in der Region bedeutsam? Wie grenzen sich die lokale, regionale und überregionale Bedeutung voneinander ab? Welches gemeinsame Verständnis haben Fördermittelgeber und Fördermittelnehmer bei der Festlegung von Kriterien?
Workshop 2 nahm die Definition der »regionalen Bedeutsamkeit« aus § 3 des Sächsischen Kulturraumgesetzes in den Blick und diskutierte, wie dieser Begriff für die Zukunft geschärft werden kann.
Beteiligungsfragen & Ergebnisse
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Umfasst die vorliegende Definition der regionalen Bedeutsamkeit aus Ihrer Sicht alle wichtigen Aspekte oder sehen Sie die Notwendigkeit einer Präzisierung der Definition im Kulturraumgesetz?
Die Diskussion über die bestehende gesetzliche Definition ergab ein differenziertes Bild. Einerseits wurde vor einer Überfrachtung durch die Aufnahme neuer Anforderungen gewarnt – der Wunsch nach kommunaler Selbstverwaltung und weniger Bürokratie war stark. Andererseits wurden einzelne Formulierungen als zu unkonkret kritisiert.
Konkretisierung gewünscht: Insbesondere der rein qualitative »besondere Stellenwert« (Absatz b) und der »Modellcharakter für betriebliche Organisationsformen« (Absatz c) wurden als zu unbestimmt und schwer messbar empfunden. Hier forderte ein Teil der Gruppe Präzisierungen. Ein anderer Teil sprach sich bei allem Verständnis für den Wunsch nach eindeutigeren Vorgaben dagegen aus. Sie empfanden eine Aufnahme weiterer Details in die Definition der regionalen Bedeutsamkeit als unpassende Auflagen des Freistaats und Einschränkung des kommunalen Selbstverwaltungsrechts.
Neue Aspekte gefordert: Mehrfach wurde angeregt, die Definition unter Absatz d um die Dimensionen Integrations- und Bildungskraft zu ergänzen. Auch das Kriterium, dass es »nichts Gleichwertiges in erreichbarer Nähe« gibt, wurde als wichtiger und zu ergänzender Aspekt genannt. Es sollte zudem abgegrenzt werden, wie sich regionale und überregionale Bedeutsamkeit voneinander unterscheiden.
Progressivere Ausrichtung: Einzelne Stimmen empfanden die Definition als insgesamt zu konservativ und sprachen sich für eine Formulierung aus, die gezielt auch progressive, junge und unkonventionelle Initiativen berücksichtigt.
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Was macht die Strahlkraft von Kultureinrichtungen in den Regionen aus? Welche Bedeutung haben sie für die Regionen und ihre Menschen?
Hier sammelten die Teilnehmenden eine Vielzahl von Faktoren, die zur »Strahlkraft« – also der positiven Wirkung in die Region – beitragen. Am häufigsten genannt wurden:
Soziale Funktionen: Kultureinrichtungen wurden als Treffpunkte definiert, als Orte der Begegnung und Teilhabe. Sie seien für die Menschen in der Region Teil ihrer Heimat, stiften Identität und fungieren als gesellschaftliches Bindeglied, das den Zusammenhalt stärkt.
Bildungs- und Teilhabefunktionen: Die Bedeutung von Kultureinrichtungen wurde außerdem in ihrer Funktion als Orte der Bildung betrachtet. Sie ermöglichen durch die Strahlkraft ihrer professionell umgesetzten Angebote kulturelle Teilhabe in der Breite und somit für alle Generationen und sozialen Gruppen.
Programmatische Qualität und Offenheit: Als bedeutend für die Strahlkraft von Kultureinrichtungen wurden sowohl die Vielfalt als auch die künstlerische Qualität der Angebote genannt. Als wichtig wurde dabei außerdem erachtet, dass Offenheit für neue Perspektiven und Innovationen besteht, die über die Institutionen hinaus in die Gesellschaft hineinwirken.
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Welche qualitativen Faktoren sind aus Ihrer Sicht entscheidend, damit ein Projekt oder eine Einrichtung als regional bedeutsam zu betrachten ist?
Die Teilnehmenden betonten, dass hohe künstlerische Qualität allein nicht automatisch zu regionaler Bedeutsamkeit führe. Entscheidend sei vielmehr die Verbindung von Qualität mit der Wirkung vor Ort. Als wichtigste qualitative Faktoren wurden identifiziert:
Konzeptionelle Stärke und lokale Verankerung: Es wurde als entscheidend betrachtet, dass Institutionen und auch Projekte bei ihrer Arbeit einer klaren konzeptionellen Ausrichtung folgen, die regionale Spezifika aufgreift und einen erkennbaren Bezug zur jeweiligen Region und ihrer Gemeinschaft zeigt. Dazu gehöre, regionale Besonderheiten, z. B. historische Traditionen, charakteristische Ausdrucksformen oder spezifische Zielgruppen, bewusst aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Ebenso bedeutend sei die Verankerung in der Region: Dauerhafte Präsenz, Kooperationen mit lokalen Partnern aus Profession und Amateurbereich sowie die Einbindung in bestehende Netzwerke tragen zur Rolle einer Einrichtung als Bestandteil der kulturellen Infrastruktur bei.
Wirkung und Partizipation: Für viele der Teilnehmenden stand im Mittelpunkt, dass Projekte und Einrichtungen in die Gesellschaft einer Region hineinwirken und Möglichkeiten zur Beteiligung bieten. Partizipation sei essentiell für die Schaffung von emotionaler Zugänglichkeit, die als wichtig für die Bindung des Publikums erachtet wurde.
Professionalität und Innovation: Mit Blick auf die Qualität wurden vor allem ein professionelles künstlerisches Niveau und eine ebenso professionelle Vermittlung genannt. Beides sollte gepaart sein mit der Fähigkeit zur Überraschung und zum Perspektivwechsel.
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Welche quantitativ messbaren Indikatoren könnten zur Bewertung der regionalen Bedeutsamkeit herangezogen werden?
Messbare Indikatoren wurden als Ergänzung, nicht als Ersatz für qualitative Bewertung gesehen. Die Teilnehmenden warnten davor, allein Zahlen, Daten und Fakten in den Fokus zu rücken. Voraussetzung für den sinnvollen Einsatz von Kennzahlen sei eine praxisnahe und schlanke Datenerhebung. Als sinnvolle Indikatoren wurden genannt:
Publikumsdaten und Teilhabe: Als klassische Kennziffern wurden Besucherzahlen, idealerweise verknüpft mit Postleitzahlen zur Analyse des Einzugsgebiets, sowie die Analyse der erreichten Zielgruppen und Generationen genannt. Dabei wurde es als wünschenswert angesehen, dass die Zahlen standardisiert und somit einheitlich erhoben werden und dadurch auch vergleichbar sind.
Angebots- und Kooperationsdaten: Auch die Offenheit von Institutionen sei etwas, was zur Bewertung der regionalen Bedeutsamkeit herangezogen werden könnte. Hierbei wurden als mögliche Kenngrößen die Anzahl und Art von Formaten – auch außerhalb des eigenen Hauses und im öffentlichen Raum – die Anzahl von Kooperationen sowie die Diversität der Kooperationspartner und die Anzahl der beteiligten Kulturschaffenden genannt.