Herausforderungen begegnen, Kultur zukunftssicher gestalten – Leitlinien und Werte der Kulturarbeit in Sachsen
Leitgedanken
Werte leben, Perspektiven eröffnen – Kulturarbeit ist mehr als Programmgestaltung. Sie ist Haltung, Verantwortung und Zukunftsgestaltung. Welche Leitlinien prägen unser Handeln? Was müssen wir gemeinsam tun, um mit Blick auf die heutigen Herausforderungen unser kulturelles Erbe zu bewahren und krisenfest auszurüsten?
Der Workshop legte den Grundstein für das neue Leitbild, das im Rahmen des Strategieprozesses »Zukunft Kulturland Sachsen 2030« entwickelt wird, und befasste sich mit den Werten, die die sächsische Kulturpolitik künftig prägen sollen.
Beteiligungsfragen & Ergebnisse
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Wie sollen sich Kultureinrichtungen in Sachsen bis 2030 entwickeln? Wie sind die Kultureinrichtungen auf die absehbaren Herausforderungen der kommenden Jahre insbesondere den demografischen Wandel, KI und die angespannte Situation der öffentlichen Haushalte vorbereitet?
Die Diskussion machte deutlich, dass die Vorbereitung auf Veränderungen wie den fortschreitenden demografischen Wandel, Künstliche Intelligenz und knapper werden Mittel als eine der größten Aufgaben der kommenden Jahre gesehen wird. Viele Teilnehmende beschrieben die aktuelle Situation nicht nur als strukturell, sondern auch als emotional angespannt, was proaktives und strategisches Handeln oft erschwere.
Als zentrales Zukunftsbild für Kultureinrichtungen wurde der Wunsch nach mehr Offenheit und Vernetzung formuliert.
Nahbar und einladend: Kultureinrichtungen sollen für alle Menschen offen sein und das sowohl in Bezug auf ihr Programm als auch die Spielstätten als Orte. Dabei sollten sie auf einer pluralistischen, antidiskriminierenden Wertebasis agieren. »Nahbar und einladend« bedeute auch, dass Institutionen über räumliche Grenzen hinweg wirken und präsent sind, beispielsweise, indem Theater, Orchester und Museen auch außerhalb ihrer »Stammhäuser« spielen und ausstellen. Kultureinrichtungen sollen keine Orte für »Einzelerlebnisse« sein, sondern vielmehr zum Austausch, zur Begegnung und zum gesellschaftlichen Miteinander einladen.
Innovativ und relevant für alle Generationen: Neue Formate sollen entwickelt werden, um auch bisherige Nichtbesuchende, Senioren, Jugendliche und Kinder zu erreichen. Die Relevanz einer Einrichtung bestehe zwar zum einen in messbaren Erfolgen wie einer hohen Auslastung, gleichzeitig aber auch darin, ob es ihr gelingt, sich den drängenden Fragen der Zeit zu stellen und sich konstruktiv mit ihnen auseinanderzusetzen. Dabei wurde immer wieder der Zwiespalt beschrieben, dass einerseits ein Stammpublikum »bedient« werden müsse, dies aber nicht den Raum für neue Formate, die sich an ein potentielles neues Publikum richten, nehmen dürfe. Hier könne eine engere Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen von Kindertageseinrichtungen, Schulen bis zu Volkshochschulen helfen.
KI als offene Flanke: Mit Blick auf Künstliche Intelligenz sah sich die Mehrheit der Workshopteilnehmenden unzureichend vorbereitet auf den kommenden digitalen Wandel. Wissen für eine sinnvolle Nutzung fehle. Einsatzmöglichkeiten für KI wurden vor allem zur Vereinfachung von Verwaltungsprozessen gesehen. Der Einsatz im Bereich der Gestaltung des künstlerischen Programms wurde eher skeptisch betrachtet: »KI ersetzt nicht den Menschen«.
Wirtschaftlich resilienter: Eine breitere finanzielle Basis durch neue Partnerschaften – auch mit dem privaten Sektor – oder die Öffnung von Gebäuden, z. B. für Vermietungen, und ein verbessertes Marketing wurden als wichtige Ziele genannt.
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Welche Veränderungsprozesse können durch die Kultureinrichtungen selbst erfolgen und wofür braucht es vom wem welche Unterstützung?
Ein Appell war, dass für Transformationsprozesse Ressourcen zur Verfügung gestellt werden müssen – Personal, Zeit und Finanzen. Die Teilnehmenden unterschieden zwischen dem, was Kultureinrichtungen aus eigener Kraft leisten können, und Punkten, für die externe Unterstützung unabdingbar ist. Insbesondere wurden die folgenden Aspekte diskutiert:
Was Kultureinrichtungen selbst leisten können: Eine inhaltliche und programmatische Weiterentwicklung, der Aufbau von Kooperationen und Netzwerken sowie die Ermittlung von Bedarfen, z. B. durch Besucherumfragen, können Kultureinrichtungen selbst in die Hand nehmen. Um sich weiter zu öffnen (Stichwort: Dritter Ort) und in die Gesellschaft hinein zu wirken, könnten Kultureinrichtungen verstärkt Outreach-Aktivitäten entwickeln. Hervorgehoben wurde, dass kontinuierliche Selbstreflexion der eigenen Arbeit und Strukturen in der Verantwortung der Einrichtungen liege. Weiterhin bieten Kooperationen und der Austausch zwischen verschiedenen Akteuren sowie die Nutzung von Statistiken stets Potenzial für Weiterentwicklung und die Entwicklung von angepassten oder neuen Zielformulierungen für das eigene Haus, um dadurch die Wünsche und Bedürfnisse des Publikums besser zu berücksichtigen ohne sich von Bewährtem zu verabschieden.
Wo es Unterstützung braucht: An erster Stelle stand der Wunsch nach verlässlicher, langfristiger finanzieller Sicherheit und dem Abbau von Bürokratie. Konkret gefordert wurden zudem Investitionsprogramme, Unterstützung bei der Drittmittelakquise, flexiblere Stellenpläne, die Möglichkeit zur überjährigen Mitnahme von Fördergeldern sowie die zentrale Bereitstellung von (digitaler) Infrastruktur (z. B. KI-Lizenzen). Für den Umgang mit KI und deren vielfältige Einsatzmöglichkeiten wurden zudem Schulungsangebote speziell für den Kulturbereich gewünscht. Um Programmangebote an den demografischen Wandel und auch veränderte Erwartungshalten anzupassen, wurde der Zugang zu Statistiken und Daten als wichtige Basis für Entscheidungen genannt.
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An welchen Kernwerten / Parametern sollte sich die Kultur in Sachsen ausrichten, damit gewährleistet ist, dass wir unser reiches Erbe bewahren und gleichzeitig gut gerüstet sind für die Zukunft – auch nach 2030? Welche Verbindlichkeit sollten diese Werte haben für die Praxis der öffentlichen Kulturförderung?
Die Debatte um die Kernwerte der Kulturförderung war intensiv und ergab ein klares Stimmungsbild:
Kunstfreiheit und demokratische Werte: Mit höchster Priorität und Verbindlichkeit für alle Beteiligten wurden demokratische Grundwerte genannt: Freie Rede, freie Kunst und Unabhängigkeit dürfen nicht durch politische Instanzen reglementiert werden. Kultureinrichtungen wurden als Orte des freien Diskurses und der Stärkung demokratischer Werte beschrieben. Sie sollten Räume des freien Diskurses positioniert und entsprechend gefördert werden, wobei friedliche Auseinandersetzung und Toleranz Kernwerte bilden.
Qualität vor Quantität: Eine ausschließliche Fokussierung auf Besuchszahlen wurde einstimmig abgelehnt. Stattdessen sollten inhaltliche Qualität, gesellschaftliche Relevanz und künstlerischer Anspruch im Vordergrund stehen.
Vielfalt, Partizipation und Zugänglichkeit: Diese Werte wurden durchgehend als unabdingbar für die Legitimität und Zukunftsfähigkeit der Kulturförderung genannt.
Kulturelle Bildung als Pflichtaufgabe: Die Teilnehmenden hoben hervor, dass kulturelle Bildung ab der Kita und durch alle Bildungseinrichtungen hindurch als Pflichtaufgabe etabliert werden soll. Kultureinrichtungen leisten dabei einen wesentlichen Beitrag zur kulturellen Bildung und Vermittlung für ein breites Publikum. Die Zusammenarbeit mit Bildungsträgern sei von grundlegender Bedeutung, wobei jede Kultureinrichtung ihren Bildungsauftrag klar definieren und sich explizit zu diesem bekennen sollte.
Verlässlichkeit und Partnerschaftlichkeit: Die Ausrichtung an den genannten Werten und Paramenten sollte Grundlage für die staatliche Förderpraxis sein. Diese müsse umgekehrt verlässlich sein und langfristige Planungssicherheit bieten.
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Sachsen hat eine reiche Kulturtradition. Soll die Förderung eher darauf ausgerichtet sein, das Bestehende zu erhalten oder sollte sie eher darauf abzielen, neue Akteure und Formate zu unterstützen? Oder kennen Sie Beispiele, die beides miteinander verbinden?
Ein klares Votum gab es gegen ein »Entweder-Oder«. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Bewahrung des reichen kulturellen Erbes und die Förderung von Innovationen zwei Seiten derselben Medaille sind. Nur, wenn sich die bestehenden Institutionen weiterentwickeln, vor allem in Bezug auf die Angebote, die sie ihrem Publikum machen, bleiben sie dauerhaft relevant. Dabei sollten sich neue Formate bestenfalls mit etablierten Angeboten verzahnen. Als Schlüssel zur Verbindung von beidem wurden Kooperationen zwischen etablierten Institutionen und der freien Szene, die kritische Reflexion des Bestehenden und die Öffnung von Leuchttürmen für neue Formate und Akteure genannt.