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Leipziger Raum

Foto: Kloster Marienthron.
Kloster Marienthron  © Stephan Floss

Eine Tour durch den Leipziger Raum kommt einer Reise durch die Zeit gleich. Jahrhundertealte Burgen und Schlösser gewähren einen Einblick in das dunkle Mittelalter, den prunkvollen Barock bis hinein in die jüngste Vergangenheit Deutschlands. In Torgau spürt man den revolutionären Geist der Reformation, im Mühlenland Nordsachsen lebt ein altes Handwerk wieder auf und rund um die Messestadt Leipzig entsteht »Neuseenland« – ein Land voller Natur und Kultur.

Foto: Torgauer Schloss.
Torgauer Schloss  © fotolia

Wenn 2017 der 500. Jahrestag der Reformation gefeiert wird, dann steht auch Torgau im Fokus der Festlichkeiten. Diese Stadt gilt neben der »Mutter der Reformation« – Wittenberg – als »Amme der Reformation«. In Torgau wurden die »Torgauer Artikel« verfasst, die die Grundlage für das Augsburger Bekenntnis legten. Hier wurde das erste protestantische Gesangbuch herausgegeben und protestantische Herrscher schlossen zur Verteidigung der Glaubensfreiheit den »Torgauer Fürstenbund«. Luthers Frau Katharina von Bora starb in Torgau und liegt in der Marienkirche begraben.

Der Reformator selbst sagte über die Stadt, die er mehr als vierzig Mal besuchte: »Torgaus Bauten übertreffen an Schönheit alle aus der Antike, selbst der Tempel des Königs Salomo war nur aus Holz.« Den Höhepunkt der beeindruckenden historischen Stadt mit 500 Baudenkmälern im Stil der Renaissance und der Spätgotik ist Schloss Hartenfels, das besterhaltene Schloss der Frührenaissance in Deutschland. Die Schlosskirche ist der erste protestantische Kirchenneubau, an dem das geistige Programm der Reformation erstmals in Architektur und Kunst umgesetzt wurde. 1544 wurde die Kirche von Martin Luther geweiht. Schloss Hartenfels ist neben der Kurfürstlichen Kanzlei, der Katharina-Luther-Stube oder dem historischen Handwerkerhaus eine von sechs Stationen des Torgauer Museumspfades, der Besuchern die Geschichte der Stadt näher bringt.

Motivbild: Luther »Am Anfang war das Wort« © Lutherdekade

Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 widmet sich Torgau gemeinsam mit vielen weiteren deutschen Städten mit Ausstellungen, Konzerten und andere kulturellen Veranstaltungen den verschiedenen Aspekten der Reformation. Diese Veranstaltungen sind Teil der »Lutherdekade«, die 2008 in Wittenberg feierlich eröffnet wurde. In den zehn Themenjahren wird das weite Spektrum der Reformation aufgenommen und entfaltetet, bis 2017 der 500. Jahrestag des Thesenanschlags an der Schlosskirche zu Wittenberg weltweit mit kirchlichen und kulturellen Veranstaltungen, Tagungen und großen Ausstellungen gefeiert wird.

Gruppenfoto.
Leipziger Symphonieorchester  © Leipziger Symphonieorchester gGmbH

Das Leipziger Symphonieorchester feierte im Jahr 2013 das 50jährige Bestehen. In all diesen Jahren hat sich zwar gelegentlich der Name geändert, nicht aber die Funktion. Als Staatliches Orchester des Bezirkes Leipzig im Jahr 1963 gegründet, gehören Konzerte ebenso zum Alltag der Musiker wie CD-und Theaterproduktionen.

Der Klangkörper arbeitet mit international renommierten Künstlern, gibt aber auch jungen Musikern die Gelegenheit, sich in Konzerten zu bewähren. Besonders in der Kooperation mit den Hochschulen für Musik in Leipzig und Weimar sowie den Landesgymnasien für Musik verwirklicht der Klangkörper das Anliegen und die Verpflichtung zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses.

Mit seinen Konzerten prägt das Leipziger Symphonieorchester das Musikleben im Kulturraum Leipziger Raum entscheidend mit, wo es das einzige sinfonische Orchester für rund 450.000 Menschen ist. Hier gibt es Konzerte, unterstützt den Schulunterricht und setzt sich aktiv für das Kulturleben seiner Heimatregion ein. Hier ist es fest verwurzelt, von hier aus wirbt es für die Region im In- und Ausland, hier stellt es sich der aktuellen Herausforderung.
 
Gastspielreisen führten das Orchester nach Polen, Bulgarien, Italien, die Niederlande, in die Schweiz, nach Südkorea und Mexiko.  Auftritte beim »Usedomer Musikfestival«, den »Darß Classic Nights«, auf der Blumeninsel Mainau, der Berliner Philharmonie sowie im Gewandhaus zu Leipzig belegen die Qualität und das Ansehen des Klangkörpers eindrucksvoll. Gastspielreisen führten das Orchester nach Polen, Bulgarien, Italien, die Niederlande, in die Schweiz, nach Südkorea und Mexiko. 

Das breit gefächerte Repertoire des Orchesters, das auf mehreren CD’s erschienen ist, erstreckt sich von der klassisch-romantischen und modernen Sinfonik über Oper, Operette, Musical sowie Filmmusik bis hin zur sinfonischen Unterhaltungsmusik. Verschiedene kammermusikalische Ensembles ergänzen dieses umfangreiche Angebot.

Foto: Sächsische Bläserphilharmonie. © Sascha Eilert

Die Sächsische Bläserphilharmonie ist das bis heute einzige Kulturorchester in ausschließlicher Bläserbesetzung. 1950 wurde es unter dem Namen »Rundfunk Blasorchester Leipzig« gegründet und war insgesamt 41 Jahre für den Rundfunksender in Leipzig tätig. Unzählige Rundfunk- und Fernsehsendungen machten das Orchester mit dem unverwechselbaren Klang über die Landesgrenzen hinaus bekannt und beliebt. In all den Jahren hat die Philharmonie mit vielen namhaften Instrumentalisten, Sängern sowie Dirigenten aus aller Welt zusammengearbeitet.

Die Sächsische Bläserphilharmonie zeichnet sich durch ein facettenreiches Klangspektrum aus, das durch die speziellen Arrangements für Bläserensemble ermöglicht wird. Dabei werden sowohl zeitgenössische Originalkompositionen als auch Transkriptionen von Meisterwerken der Musikgeschichte werkgerecht interpretiert. Sinfonische Kammermusiken können durch die verschiedenen Formationen der Sächsischen Bläserphilharmonie vom Bläserquintett bis zur Serenadenbesetzung ebenfalls konzertant umgesetzt werden. In den verschiedenen Formationen kann die Sächsische Bläserphilharmonie ihre künstlerischen Möglichkeiten im Bereich der sinfonischen Bläsermusik vollständig entfalten.

Der hohe Anspruch des Klangkörpers und die künstlerische Qualität werden stets durch positive Resonanz beim Publikum und in der Fachpresse gewürdigt. Neben Konzertreihen in der Region um Leipzig ist die Sächsische Bläserphilharmonie in ganz Deutschland und im Ausland ein gefragtes Gastspielorchester.

Die Musiker der Sächsischen Bläserphilharmonie sind neben der Arbeit im Orchester auch in der musikpädagogischen Institution, der »Deutschen Bläserakademie«, als Dozenten tätig. Hier wird sowohl Laien- als auch Berufsmusikern ein breites Angebot an Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten geboten. Für Dirigentenwerkstätten ist die Sächsische Bläserphilharmonie ein gern gewähltes Lehrgangsorchester.

Nachaufnahme von Schloss Colditz.
Schloss Colditz  © Schlösserland Sachsen

Idyllisch an der Zwickauer Mulde gelegen, erblickt man die strahlenden weißen Giebel von Schloss Colditz schon von weitem. Das Renaissance-Schloss ist Anziehungspunkt für Touristen aus der ganzen Welt. Doch diese Neugier und Begeisterung ist nicht der Beschaulichkeit des ehemaligen Herrschersitzes und Jagdschlosses geschuldet, sondern den mächtigen Mauern, die während des Zweiten Weltkriegs zum Internierungslager für hochrangige Offiziere aus England, Frankreich, Belgien, Holland und Polen wurden. Unter ihnen waren auch der Neffe Winston Churchills und der Neffe des damaligen englischen Königs George VI. Filme wie »The Colditz Story«, unzählige Romane und Tatsachenberichte machten Schloss Colditz berühmt und zeugen von den Erlebnissen der Inhaftierten und erzählen die Geschichte von spektakulären Fluchtversuchen. Im Fluchtmuseum des Schlosses können »Originalschauplätze« und selbst gefertigte Werkzeuge der Gefangenen besichtigt werden. Etwa 300 dokumentierte Ausbruchsversuche von unglaublicher Kreativität, darunter einige erfolgreiche, sind heute Legenden der Militärgeschichte.

Ausgelassenem Vergnügen, Schönheit und Kunst begegnen die Besucher auf Schloss Delitzsch. Die pastellfarbene Schlossanlage, ehemals beliebte Reiseresidenz sächsischer Fürsten, lockt mit Museum und Barockgarten. Repräsentatives Interieur und Parkanlagen zum Lustwandeln laden kunstsinniges Publikum, das sich vor allem zum alljährlichen Schlossfest dem »Vive le plaisir« hingeben kann. Das abwechslungsreiche Programm mit höfischem Tanz, Musik und Spiel belebt das barocke Leben auf Schloss Delitzsch wieder. Zahlreiche Mitwirkende in historischen Kostümen sorgen für eine einmalige Atmosphäre.

Foto der Mühle.
Bad Dübener Bockwindmühle  © Katrin Born

Nordsachsen ist Mühlenland. Durch die Muldenaue führt der 25 Kilometer lange Mühlen-Radweg allein an über 20 romantisch gelegenen Mühlen vorbei. Inhaber und Müller laden ein, die fachgerecht und liebevoll sanierten Bockwindmühlen, Sächsische Turmwindmühlen oder Paltrockwindmühlen zu besichtigen. Wissenswertes und Kurioses begegnet hierbei dem Besucher: Mühlen, die als Aussichtsturm im Siebenjährigen Krieg genutzt wurden, die höchste Mühle Sachsens und Mühlen, die an einen anderen Ort versetzt wurden oder die bereits in fünfter Generation in Familienbesitz sind. Zum Deutschen Mühlentag stellt Nordsachsen diese wichtigen Zeitzeugen der Energieerzeugung und -nutzung vergangener Jahrhunderte vor, und bietet zugleich vielfältige Rahmenprogramme mit Ausstellungen, Bauern-, Öko- und Kunsthandwerkermärkte und Konzerten unterschiedlicher Couleur.

Andere, moderne »Mühlen« rotierten südlich und nördlich von Leipzig und prägten bis in die 1990er Jahre die Region rund um die Stadt. Großraumbagger im Mitteldeutschen Braunkohlerevier hinterließen bei der Gewinnung, Veredelung und Nutzung der Naturressource Braunkohle zerklüftete Landstriche, die sich in jüngster Gegenwart durch Rekultivierung zu einem touristischen Ziel entwickelt haben. Tagebaurestlöcher sind und werden geflutet, eine neue Landschaft entsteht: das »Leipziger Neuseenland«.

Foto: Zwei Radfahrer fahren am See vorbei.
Leipziger Neuseenland  © Tourismusverein Leipziger Neuseenland e.V.

Beliebtes Ausflugsziel ist der Bergbau-Pavillon »Kap Zwenkau« am gerade entstehenden Zwenkauer See. Er ist einer von zahlreichen Aussichtspunkten im Leipziger Neuseenland, der weite und ungeahnte Blicke auf die neu geschaffene Landschaft ermöglicht.

Mahnmal für die Orte, die dem Espenhainer Tagebau weichen mussten, ist das Kunstobjekt »Vineta« auf dem Störmthaler See. Als höchstes schwimmendes Bauwerk auf einem deutschen See symbolisiert es die verlorene Magdeborner Kirche. Die »Vineta« ist Bühne für klassische Konzerte, Lesungen und Kleinkunst.

Rund um die zukünftigen 18 Seen und über den wohl größten und schnellsten Landschaftswandel in Europa informieren zahlreiche Vorträge, Ausstellungen und vor allem Exkursionen zu originalen Bergbaumaschinen. Das Leipziger Neuseenland ist bereits ein attraktiver Anziehungspunkt für Konzerte und Festivals. Auf der Magdeborner Halbinsel am Störmthaler See kommen Tausende Musikbegeisterte zum größten Indie-Rock-Festival der neuen Bundesländer zusammen. Ferropolis, die Stadt aus Eisen, bietet in der Kulisse von Schaufelradbaggern großartige Veranstaltungen wie die »Pyro Games« oder die Musikfestivals »Melt!« und »Splash«.

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