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Dresden

Foto: Blick über Dresden. © Stephan Floss

Dresden – eine Stadt wandelt zwischen den Epochen der Weltgeschichte: Die Sixtinische Madonna in der Galerie Alte Meister feiert ihren 500. Geburtstag. Alte und Neue Musik, Weltmusik und Jazz erklingen bei den Dresdner Musikfestspielen. Das Festspielhaus Hellerau ist »Laboratorium der Moderne« und eines der wichtigsten Zentren zeitgenössischer Künste in Deutschland und Europa. Digitale Parallelwelten öffnen sich beim internationalen Festival für computergestützte Kunst CYNETART. Die sächsische Hauptstadt bietet ein abwechslungsreiches Spektrum der Künste. Tanz, Musik, Museen, Architektur und Neue Medien eröffnen ungeahnte Welten und geben Einblick in die Kulturszenen von der Renaissance bis in die Moderne.

Foto des Innenraums.
Blick in das silbervergoldete Zimmer des Historischen Grünen Gewölbes  © David Brandt

Sie sind die wohl prominentesten Engelchen der Welt: Die zwei kleinen geflügelten Himmelsboten am unteren Bildrand des Altargemäldes der ebenso weltberühmten Sixtinischen Madonna von Raffael. Die zwei wie lümmelnde Lausbuben erscheinenden Engel sind in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden zu Hause. Diese begrüßt jährlich 500.000 Besucher und ist eines von zwölf Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), einem der weltweit bedeutendsten und ältesten Museumsverbünde. Die verschiedenen Museen befinden sich in sieben prachtvollen Gebäuden, die allein schon einen Besuch wert sind.

Im Herzen der Dresdner Altstadt gelegen, ist das Residenzschloss Ursprungsort und Zentrum der SKD. Der ehemalige Stammsitz des Fürstengeschlechts der albertinischen Linie der Wettiner beherbergt das Historische und das Neue Grüne Gewölbe, das Münzkabinett, das Kupferstich-Kabinett und die Türckische Cammer. Letztere birgt eine unverwechselbare Sammlung osmanischer Kunst. Einzig in Dresden haben Besucher der Türckischen Cammer die Möglichkeit, das größte Objekt, ein osmanisches Dreimastzelt, zu betreten. 160 Quadratmeter orientalischer Traum aus Gold und Seide lassen erahnen, wie viel Bewunderung auch August der Starke für die osmanische Kultur hegte.

Als »Museum der Moderne« ist auch das Albertinum mit der Galerie Neue Meister und der Skulpturensammlung ein Besuchermagnet. Nach umfangreichem Umbau und Sanierung bietet es unter anderem durch riesige gläserne Schaudepots ganz neue Einblicke in das Museum und dessen sonst verborgene Sammlung. Die Galerie Neue Meister zeigt bedeutende Werke der Malerei von Künstlern wie Caspar David Friedrich bis Gerhard Richter. Skulpturen von Rodin bis hinein ins 21. Jahrhundert präsentiert die Skulpturensammlung.

Der Lipsius-Bau mit seiner markanten Glaskuppel (im Volksmund »Zitronenpresse« genannt) zieht ebenfalls viele Architektur- und Kunstfreunde an. Die abwechslungsreichen Sonderausstellungen zeitgenössischer Maler werden in der großzügigen und schlicht gehaltenen Kunsthalle gezeigt. Wie das gesamte Gebäude weist sie nach der Renovierung einen bemerkenswerten Gegensatz zwischen sichtbar gelassenen Spuren der Zerstörung und neuer architektonischer Gestaltung auf.
Ausgelassene Stimmung abseits des Museumsalltages bringen die »Lipsius Vibes«, zu denen die JUNGEN FREUNDE der Staatlichen Kunstsammlungen regelmäßig einladen. Zur ungezwungenen und interaktiven Auseinandersetzung mit den Werken der jeweiligen Sonderausstellung gesellen sich im Laufe des Abends Musiker und DJs, die das junge kunstinteressierte Publikum zum Tanzen auffordern.

Weitere Museen der SKD:

  • Zwinger: Gemäldegalerie Alte Meister, Rüstkammer, Dresdner Porzellansammlung und Mathematisch-Physikalischer Salon (Sanierung und Umbau bis Ende 2012)
  • Japanisches Palais: Sitz des Museums für Völkerkunde Dresden, Sammlung von 90 000 Objekten aus allen Erdteilen
  • Jägerhof: Museum für Sächsische Volkskunst im Jägerhof, unter anderem Ausstellungsstücke der erzgebirgischen Volkskunst, Erzeugnisse aus der Lausitz und dem Vogtland sowie Puppentheatersammlung
  • Schloss Pillnitz: Kunstgewerbemuseum

Ebenfalls zum Museumsverbund zählen die öffentlich zugängliche Kunstbibliothek im Residenzschloss, der Kunstfonds mit einer Sammlung von 25.000 Werken aller Genres der Bildenden Kunst und das Gerhard Richter-Archiv im Albertinum.

Foto der Dresdner Musikfestsspiele.
Dresdner Musikfestsspiele im Mai 2012, Curtis Symphony Orchestra  © Curtis Institute of Music

Apokalypse, Aufbruch, Neue Welt. Die Themen der Dresdner Musikfestspiele sind wie die Festtage selbst sehr vielfältig und anspruchsvoll. Seit mittlerweile über dreißig Jahren laden die Dresdner Musikfestspiele – inzwischen eine prägende Kulturinstitution der Stadt – im Mai und Juni nach Dresden ein.

Seit 2009 ist der Cellist Jan Vogler Intendant der Dresdner Musikfestspiele, die seitdem eine entscheidende Neuausrichtung erfahren haben. Seine Vision ist es, den Ruf der Musikfestspiele in die Welt zu tragen und »Dresden in der ersten Liga der Festivalstädte der Welt zu etablieren«. Namhafte Orchester, große Solisten und Ensembles sind jedes Jahr für zwei Festivalwochen in der sächsischen Landeshauptstadt zu Gast und entführen ihr Publikum gemäß dem jeweiligen Motto der Musikfestspiele immer wieder in eine neue musikalische Welt.

Das Programm der Dresdner Musikfestspiele ist vielfältig: Neben Orchester-, Kammermusik- und Solokonzerten wird Alte und Neue Musik, Weltmusik, Jazz und Tanz geboten. Renommierte Spielstätten wie die Semperoper, Schloss Pillnitz, Frauenkirche, Schloss Albrechtsberg oder das Festspielhaus Hellerau bieten sowohl den Künstlern und ihrer Musik als auch den Zuhörern die perfekte (akustische) Kulisse.

Seit 2004 ehren die Dresdner Musikfestspiele mit dem Glashütte Original MusikFestspielPreis Persönlichkeiten der Musikwelt. Zu den bisherigen Preisträgern zählen die Dirigenten Kurt Masur und Gustavo Dudamel sowie die Berliner Philharmoniker und ihr Dirigent Sir Simon Rattle. Sie alle verhelfen durch ihre Arbeit der klassischen Musik zu noch größerem Ansehen und Popularität und fördern im besonderen Maße Nachwuchsmusiker.

Die Dresdner Musikfestspiele sind nicht nur ein Festival für bereits langjährige Klassikfans, sondern wenden sich in der »Serie U30« mit ausgewählten und ermäßigten Veranstaltungen auch an ein junges Publikum. Ein besonderes Geschenk der Musikfestspiele an die Dresdner und ihre Gäste ist ein Open Air-Konzert. Gemeinsam mit Chören und Orchestern singen an der Brühlschen Terrasse Hunderte Dresdner bei »Dresden singt & musiziert«.

Foto einer Inszenierung.
»Yes we can't«, Forsythe Company  © Dominik Menkos

Das Festspielhaus Hellerau - 1911 als Bildungsanstalt für Rhythmik erbaut - ist heute Sitz von HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste Dresden. Nach der wechselvollen Geschichte des Hauses - u. a. wurde es in den 30er Jahren als Militärlager genutzt und diente der Sowjetarmee später als Kaserne - begann in den 90er Jahren die Wiederbelebung des Ortes durch Kunst. Mittlerweile zählt HELLERAU zu den wichtigsten interdisziplinären Zentren zeitgenössischer Künste Deutschlands und Europas. Zeitgenössischer Tanz, Musiktheater, Neue Musik, Theater, Performance, Bildende Kunst und Neue Medien sind hier zu Hause. Die weltweit gefeierte Forsythe Company ist hier seit 2005 Company in Residence.

Seit April 2009 wird das Festspielhaus wieder ganzjährig bespielt. Gemeinsam mit den Partnerorganisationen auf dem Gelände arbeitet das Europäische Zentrum der Künste daran, dass in HELLERAU ein "Arbeitsplatz Kunst"
entsteht. Hier wird mit Kunst experimentiert, Kunst ausprobiert, Kunst präsentiert sowie reflektiert.

Foto der Inszenierung.
Cynetart: Automatic Clubbing Night II, Uncanny Valley präsents Uncanny Herpes, Festspielhaus Hellerau  © Robert Arnold

Die CYNETART ist ein internationales Festival für computergestützte Kunst in Dresden, dessen inhaltlicher Schwerpunkt die Veränderung von Körperwahrnehmung durch die neuen Informationstechnologien ist. Menschen halten sich immer häufiger in virtuellen Welten auf, so dass deren Verhaltensmuster nach und nach verändert werden. Digitale Kommunikation und die Entstehung von Parallelwelten ist fast selbstverständlich geworden. So tanzen bei der CYNETART Tänzerinnen zeitgleich auf Bühnen, die tausende Kilometer voneinander entfernt liegen. Dank digitaler Technik sind sie miteinander verbunden, reagieren auf die Bewegungen ihrer Mittänzer auf den zugeschalteten Bildschirmen und schaffen somit eine Online-Performance im virtuellen Transitraum. Althergebrachte Begriffe aus der Kunst und dem Theater können diese Form der Darstellung nur noch schwer erklären. Die Besucher geraten an die Grenzen ihrer Wahrnehmung.

Seit 1997 bietet die CYNETART in Dresden-Hellerau Platz für diese neue Kunstform der digitalen Parallelwelten. Dabei hat sie sich zu einer der wichtigsten Institutionen für zeitgenössische Medienkunst im deutschsprachigen Raum entwickelt. Zugleich gilt sie als wichtigstes deutsches Festival für computergestützte Performance sowie interaktive Installationen und Environments.

Alle zwei Jahre findet der Internationale CYNETART-Wettbewerb statt. Künstler und Gruppen können sich mit ihren Projekten bewerben, die digitale Technologien vollständig in die konzeptionellen, kreativen und performativen Prozesse integrieren und somit Möglichkeiten der digitalen Performance und ihrer Beziehung zu den Faktoren Zeit, Raum, leibhaftiger Präsenz und sozialer Begegnung eröffnen.

Eine international besetzte Jury etablierter Medienkulturinstitutionen und erfahrenen Wissenschaftlern der Medienkunstgeschichte entscheidet über die Vergabe der CYNETART-Preise und des Förderpreises sowie des Artist-in-Residence-Stipendiums des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.

Dresdner Neustadt. © SMWK / Stephan Floss

Dresden wäre nicht Dresden ohne eines der größten erhalten gebliebenen Gründerzeitviertel Deutschlands – die Äußere Neustadt. Etwa 90 Prozent der heute noch vorhandenen Häuser stammen aus dieser Zeit. Trotz der Lücken, die der Krieg gerissen hat, ist das Viertel in seiner Gesamtheit erhalten geblieben. 

Kontrastreiches Viertel

Zu DDR-Zeiten wurden die Wohnungen bewusst vernachlässigt, es gab sogar Abrisspläne. Dieses Desinteresse schuf Raum für Menschen, die nicht in den DDR-Alltag passten und passen wollten. Sie eigneten sich leerstehende Wohnungen an und führten einen unkonventionellen Lebenswandel: die bunte Neustadt war geboren. Ab 1990 wurden die Gebäude auf Druck der alternativen Stadtteilbewohner saniert. Eine besondere Rolle spielte dabei die »Interessensgemeinschaft Äußere Neustadt«. Sie setzte sich dafür ein, dass Häuser repariert und die Bewohner nicht aus dem Gebiet verdrängt wurden. Nach und nach siedelten sich Kneipen, Geschäfte, Bühnen, Ateliers und Treffs an – so entstand das multikulturelle Szeneviertel der Stadt Dresden. Mit dem »Panama« gibt es sogar einen Abenteuerspielplatz, dem ein kleiner Streichelzoo angegliedert ist.

Bunte Republik

Jedes Jahr wird die Vielfalt der Äußeren Neustadt mit einem großen Fest gefeiert: Im Juni rufen die Stadtteilbewohner ihre eigene Republik aus und begehen ein ereignisreiches Wochenende. Die »Bunte Republik Neustadt« ist Straßen-, Kultur- und Szene-Fest in einem und sie ist zur Tradition geworden. Das Fest wurzelt in der ersten Veranstaltung 1990, bei der es eigene Pässe, eigenes Geld, eine Verfassung und alles andere gab, was zu einer demokratischen Republik dazugehört.

Gemälde: Ernst Ludwig Kirchner: Die Maler der »Brücke«, 1925, (v. l. n .r): Mueller, Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff. © Wikipedia

Keiner von ihnen besaß eine klassische malerische Ausbildung – trotzdem oder gerade deswegen beschlossen 1905 vier Dresdner Architekturstudenten, die Künstlergemeinschaft »Brücke« zu gründen. Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt vereinte die Suche nach freiem künstlerischem Ausdruck und die Abkehr von der traditionellen Kunstlehre.

Gegen den Zeitgeist

Ein Auslöser für die Revolte war der verstaubte Geist der Stadtoberen. Dem entgegen setzte die »Brücke« ihr Bekenntnis zur freien Natürlichkeit und das Stilmittel der Übersteigerung. Das, was als Auflehnung einzelner Studenten begann, sollte als deutscher Expressionismus in die Kunstgeschichte eingehen. Bei der Findung ihres Stils beeinflusste zunächst Vincent van Gogh die Brücke-Künstler hinsichtlich der Pinselführung und der Farbgebung. Sie verarbeiteten auch Stilelemente des Kubismus und des Futurismus. Ihre Kunst wurde später von erfolgreichen Regisseuren wie Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau oder Robert Wiene zitiert.

Zu neuen Ufern

Markant für die ausdrucksstarken Werke der »Brücke« sind vereinfachte Linien, großflächige Kompositionen und reine Farben. Quelle der Inspiration dafür war unter anderem die Kunst der Naturvölker – Holzfiguren aus der Südsee, geschnitzte Balken von den Palau-Inseln und Masken vom Bismarck-Archipel, die Kirchner im Völkerkunde-Museum in Dresden gesehen hatte. Auch sonst gingen die Künstler neue Wege: Die Gruppe verbrachte viele Sommertage an den Moritzburger Teichen. Gemeinsam genossen sie die Natur, schwammen nackt, malten sich und ihre Modelle in natürlicher Bewegung. Dabei überschritten sie künstlerische und gesellschaftliche Grenzen, zum Beispiel waren die Modelle Fränzi und Marcella erst im vorpubertären Alter.

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