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Das Lausitzer Jerusalem

Das Lausitzer Jerusalem

Es begann mit einem Skandal: Der Görlitzer Kaufmannssohn Georg Emmerich hatte angeblich ein Mädchen geschwängert, ausgerechnet die Nachbarstochter, und weigerte sich nun, sie zu heiraten. Zur Vergebung seiner Sünden und zum Beweis seiner christlichen Gesinnung trat der junge Mann 1465 eine Pilgerreise nach Jerusalem an. Nach seiner Rückkehr ließ er das Heilige Grab originalgetreu in seiner Heimatstadt nachbauen. Ein geläuterter Büßer oder vielleicht doch eher ein gewitzter Kaufmann? Man weiß es nicht. Die wohlhabende Handelsstadt Görlitz jedenfalls wurde nun auch zum Wallfahrtsort. Dabei profitierte sie von ihrer günstigen Lage an der Via Regia, der großen Handelsstraße und Pilgerroute, die von Frankfurt am Main nach Krakau führte. Seit langem schon kamen täglich Kaufleute mit ihren Waren aus ganz Europa über die »Königsstraße« in die Neißestadt. Nun gesellten sich die Pilger dazu und mehrten Wohlstand und Ansehen der Stadt. Und vielleicht auch das Georg Emmerichs, der es inzwischen zum Bürgermeister gebracht hatte.

© Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK)